Vor ein paar Tagen genossen wir das tolle Wetter im Stadtpark. Es war so toll, dass mir erst nach einiger Zeit auffiel, dass trotz strahlendblauem Himmel die Sicht am Boden ungewöhnlich schlecht war.

"Du wunderst dich?", empörte sich meine Liebste und wies mit dem Kinn auf die Bänke, die den Weg säumten. Auf den ersten Blick konnte ich nichts Ungewöhnliches erkennen, abgesehen davon, dass die Bänke voll mit Leuten waren. Auf den zweiten Blick sah ich, dass einige dieser Leute rauchten.

"Einige?", rief meine Liebste, "alle!"

"Reg dich nicht auf", versuchte ich meine Liebste zu beruhigen. "Diese armen diskriminierten Menschen mussten den ganzen Winter draußen vor Kneipen an lausigen Heizpilzen rauchen. Die wenigen, die diese Demütigung überstanden haben, wollen doch nur ein bisschen die Sonne genießen. Lass sie doch – ich bin sicher, sie werden bald wieder in ihre Räucherhöhlen zurückgehen!"

Meine Liebste schüttelte zweifelnd den Kopf. Sie behielt Recht. Wir wichen mit unserem Kinderwagen vom verqualmten Weg immer weiter in die Wiese aus – bis uns die dicken Schwaden jener Raucher trafen, die auf nikotingefärbten Decken und Tüchern im Gras saßen und sich alle Mühe gaben, die Konkurrenz auf den Bänken zu toppen. Den Weg zurück nahmen wir sicherheitshalber durch ein kleines Waldstück, in dem uns tatsächlich nur 16 Raucher begegneten.

"Beruhige dich", redete ich meiner Liebsten zu, als wir uns schließlich kurz vor dem Parkausgang auf eine wunderbarerweise freie Bank fallen ließen. "Wenn alle Raucher hier sind, hat das auch sein Gutes, dann sind wenigstens in der Stadt keine mehr unterwegs..."

"Rücken Sie mal?", unterbrach uns ein Mann. Kaum hatte er sich neben uns auf die Bank geworfen, zückte er eine Zigarette; die blasse Frau, die ihm gefolgt war, ebenso.

"Entschuldigen Sie", sagte meine Liebste sehr freundlich, "wir haben ein kleines Kind dabei, würde es Ihnen etwas ausmachen, hier nicht zu rauchen?"

Der Gelbgesichtige kräuselte die Lippen, kniff die Augen zusammen und stieß eine Rauchwolke in unsere Richtung. Die blasse Frau zuckte die Schultern: "Gehen SIE doch woanders hin!"

Es hatte keinen Sinn, sich mit derart passionierten Suchtkranken anzulegen. Und in den Park gehen konnten wir schließlich auch bei schlechtem Wetter. Wir würden zurückfahren, uns vors Café an der Straßenecke setzen und einen Milchkaffee trinken.

Doch schon von weitem sahen wir, dass die Stühle vor dem Café in eine dichte Rauchwolke gehüllt waren. Unser Versuch, diese wenigstens schnell mit angehaltenem Atem zu durchqueren, wäre fast an einer Gruppe besonders innig Rauchender gescheitert, die auf dem Fußweg ihren Tisch in Sonnenrichtung quer gestellt hatten.

"Komm", sagte ich, als mein Hustenanfall vorbei war, und zog meine aufgebracht Lungenkrebs-Studien zitierende Liebste am Arm mit mir, "wir setzen uns ganz entspannt auf unseren Balkon. Ich serviere den Milchkaffee und ich schwöre dir: Wenigstens da wird niemand rauchen!"