Es gibt Schlaumeier, die nur Jörg Fausers journalistischen Texten überdurchschnittliche Qualitäten zubilligen. Ihnen sollen die Tippfinger abfallen. In einem Punkt haben sie Recht: Man kennt Fauser nicht, wenn man sein journalistisches Werk nicht gelesen hat. Die Zeitungs- und Magazinschreiberei war sein Hauptgeschäft, damit hat er die meiste Zeit in seiner kurzen Laufbahn zugebracht, und hier war er vielleicht am ehesten der Profi, der er immer sein wollte.

Er beginnt in den Sechzigern mit konventionellen Literaturkritiken. Hier ist noch nichts vom toughen, nassforschen Geist zu spüren, den seine Arbeiten seit den siebziger Jahren atmen. Die Fronterlebnisse und existenziellen Grenzerfahrungen, die er später besonders bei der deutschen Literatur forderte –  er begegnete ihnen im Slum in Istanbul, wo er 1967/68 versackte und sich soviel miese Opiumderivate in die Venen drückte, dass der Schriftsteller Carl Weissner Fausers Überleben und Entzug eine der "großen Erfolgsgeschichten der Szene" nannte.

Und sie haben ihn maßgeblich geprägt, verhärtet. Mit Junk – Die harten Drogen, einem rücksichtslosen Erfahrungsbericht für die Zeitschrift twen, beginnt seine eigentliche Karriere als Journalist. Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits sein erstes Buch mit Avantgardeprosa fertig, er ist vor allem Schriftsteller. Und so sollen seine nun Schlag auf Schlag folgenden Reiseskizzen, Porträts und Reportagen nicht nur literarischen Maßstäben genügen, er schreibt auch vornehmlich über Literatur.

Eine Literatur, die das bereits eingelöst hat, wovon er selbst noch träumt. Bevor er seine eigenen großen Zeitromane veröffentlicht, arbeitet er sich erstmal ab an seiner langen Ahnenreihe: Jack Kerouac, Chester Himes, Raymond Chandler, aber auch an den deutschen Süchtlingen Joseph Roth und Hans Fallada. Und Bukowski, den er sich wirklich erschreibt, dessen Größe und Qualität er in immer neuen Artikeln zu taxieren versucht. In Bukowskis Literatur zeige sich nicht nur der eigene autobiografische Sinneswandel, sondern seiner Ansicht nach auch der seiner Generation.

"Nach Acid und Fernweh und Ausflippen, nach Mystik und Junk und Nirvana", heißt es bereits in seiner ersten Kritik, "zeigt uns Bukowski die Welt, in die wir zurückgekehrt sind, und er zeigt uns, dass es richtig war, in sie zurückzukehren ... Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir haben nichts mehr zu verlieren außer einem Bündel wertloser Illusionen und verramschter Träume. Ich finde, das ist ein guter Ausgangspunkt." Das ist Fausers ganz private Stunde Null.

Allerdings wollte seine Generation bei der neuen "Kahlschlagliteratur" nicht unbedingt mitmachen, und der Literaturbetrieb hatte darauf ohnehin nicht gewartet. Fauser besetzte infolgedessen eine Nische in der sogenannten Gegenkultur – und kaum eine seiner Hymnen auf seine literarischen Entdeckungen kommt nun ohne Ausfälle gegen die "Kopf- und Zopfwelt", gegen die Sitzriesen und "Kulturverweser" der deutschen Literatur aus.