Für Sabine Tischbier, 45, ist die Sache klar: Sie legt das Geld für ihre 14-jährige Tochter aufs Sparbuch. Was solle man auch sonst damit machen? Viel sei es ja nicht, sagt die alleinerziehende Mutter aus Hannover, die als Sozialpädagogin arbeitet. Die Idee, mit 100 Euro die Konjunktur ankurbeln zu wollen, hält sie für Unsinn. Sie glaubt vielmehr, dass die meisten Eltern das Geld anlegen werden - für bessere Zeiten.

Die Berlinerin Franziska Welzel, 28, freute sich, als sie vom staatlich verordneten Geldsegen hört. Ideen, wie man das Geld unter die Leute bringen könnte, kamen ihr sofort. Das Geld zu sparen - daran dachte sie nicht. "Das machen wir später", sagt die Biochemikerin, die erst seit kurzem wieder arbeitet. Tochter Lenja, 11 Monate, tobt derweil in der Kinderkrippe. Weltzel plant, ihr einen neuen Kindersitz zu kaufen, wenn der Bonus überwiesen ist. Vielleicht steckt sie das Geld aber auch in einen Urlaub. Oder in den anvisierten Neuwagen – einen Opel Zafira.

Die Hartz-IV-Empfängerin Marion Dietschmann, 52, aus Hanau befürchtet, dass ihr der Kinderbonus angerechnet wird, weil sie Sozialleistungen bezieht. Aber wenn die alleinerziehende Mutter die 100 Euro bekommt, weiß sie schon genau, was sie damit macht: "Damit würde ich mir und meiner Tochter mal ein gutes Essen gönnen oder shoppen gehen. 100 Euro sind nicht genug zum Anlegen, zu wenig für Anschaffungen, also wird es direkt ausgegeben".

Wäre ihr Sohn Anton älter, hätte sie mit der Kinderprämie eine Taschengelderhöhung finanziert, sagt Elisabeth Stefanescu-Weiß, 29. Doch der Nachwuchs zählt erst vier Monate. Deshalb seien die 100 Euro irgendwie Kinkerlitzchen, meint die Vollzeit-Mutter aus Düsseldorf. Schon der wöchentliche Einkauf bei Real verschlinge rund 70 Euro. "Und alles, wo Baby draufsteht, kostet eine mindestens dreistellig Summe, der Kinderbonus geht daher bei uns total unter". Allerdings stehen für den Filius in den nächsten Monaten einige Anschaffungen an, vom Kinderstall bis zum Kinderbett. Daher kann sie sich vorstellen, dass der Betrag letztlich in den Kauf eines Möbelstückes fließen wird. Der Kindsvater, Stefan Stefanescu, 34, gebürtiger Rumäne und Produktmanager bei Vodafone Deutschland, hat von dem staatlich verordneten Geldsegen noch nie gehört. Viel wichtiger als der einmalige Zuschuss erscheint der Kleinfamilie eh, dass das Kindergeld grundsätzlich um ein paar Euro angehoben wird. Auch kostenlose Kindergärten wären nicht schlecht.

Jessica und Stefan Verbeek, 34 und 38 Jahre alt, zögerten nicht lange, als der Kinderbonus auf dem Konto einlief. "Wir haben ganz spontan reagiert und uns von dem Geld ein gebrauchtes Klavier im Internet ersteigert". 3, 2, 1 – da waren die 100 Euro weg.

Aufgezeichnet von Christine Weißenborn und Alexandra Werdes

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