Die SZ geht davon aus, dass Jürgen Klinsmann der 1:0-Sieg in Bielefeld und auch eine mögliche Meisterschaft den Arbeitsplatz über das Saisonende nicht hinaus retten werden. Trainer und Klub führten eine "fragile Beziehung auf Zeit", schreibt Andreas Burkert und kontrastiert Jürgen Klinsmanns zur Schau gestellten Optimismus mit der Skepsis der Entscheider: "Uli Hoeneß hat zwar nicht direkt bestätigt, dass der Trainer mal wieder seinen Job rettete; aber man sah ihm diese Gedanken an. Zumindest Karl-Heinz Rummenigge soll ja bereits den Daumen gesenkt haben, doch angesichts der Unklarheiten über die künftigen Machtverhältnisse in der Führungsetage glaubt Klinsmann offenbar, noch einen Fuß in die Tür zu bekommen, die für ihm fürs nächste Jahr eigentlich schon verschlossen ist." Angesichts der auch schwierigen Beziehung zu den Fans freut sich Burkert auf die "erste Meisterfeier auf dem Marienplatz, bei der der Erfolgstrainer wohl etwas Mut benötigte, um vors zwiegespaltene Volk zu treten".

Roland Zorn (FAZ) wertet Bayerns neue sportliche Nüchternheit als vielversprechende Rückkehr zu den Wurzeln: "Nach einer etwas selbstgefälligen ersten Hälfte präsentierte sich der Meister sperrig, wehrhaft und wild entschlossen, das Spiel zu einem guten Ende zu bringen. Die Bayern haben sich in Bielefeld zu einer neuen Nüchternheit bekannt – und sind damit zu den Wurzeln ihrer Erfolgsgeschichte zurückgekehrt."

Mit dem VfB Stuttgart, obwohl nur Tabellenfünfter, rechnen viele Journalisten im Titelrennen, denn eine Aufholjagd ist ihm vor zwei Jahren auch geglückt. Gefallen findet Christof Kneer (SZ) vor allem daran, dass Stuttgart mit neun deutschen Spielern gewonnen hat, während der Gegner Köln mit elf Ausländern in der Startelf auflief: "In der Krise hat der Klub eine neue Identität entwickelt: Befreit von den konservativen Personalvorstellungen des Meistertrainers Armin Veh, ist Manager Horst Heldt dabei, den Klub in einen VfB Deutschland umzubauen – eine Anlaufstelle für inländische Begabungen, die sich bei der unaufgeregten Autorität des Teamchefs Markus Babbel aufgehoben fühlen."

Babbel muss ab Sommer seine DFB-Lizenz nachholen. In der Diskussion um die Notwendigkeit dieser Maßnahme nimmt Markus Lotter (Berliner Zeitung)  sogar den Stuttgarter Titelgewinn vorweg: "Sollte sich der VfB tatsächlich für die Champions League qualifizieren, ist Babbels Doppelbelastung bei all den kleinen Erleichterungen, die er genießt, nicht mehr nur ein Stuttgarter, sondern eben ein deutsches Problem. So wäre es Unsinn, wenn man den Deutschen Meister mit einem gehetzten Übungsleiter in den Wettbewerb mit den Besten Europas schicken würde. Und es wäre sinnvoll, wenn man eine Stuttgarter Meisterschaft als das Meisterstück eines Lehrlings betrachten würde."

Frank Heike (FAZ) führt den Erfolg der Wolfsburger, 2:1-Sieger gegen Leverkusen, auf eine gute Grundlage zurück: "Zum dritten Mal nacheinander war die Fitness-Überlegenheit der Magath-Schüler offensichtlich: Die Bayern hatten sie in der zweiten Halbzeit beim 5:1 überrollt, in Mönchengladbach fiel der Siegtreffer spät, und gegen Leverkusen raffte sich Wolfsburg in der letzten Viertelstunde dermaßen auf, dass der Eindruck eines an sich glücklichen Sieges noch verwischt wurde."

Am vorigen Donnerstag Einzug ins Uefa-Pokal-Halbfinale, übermorgen DFB-Pokal gegen Werder Bremen und zwischendrin ein schmuckloser 2:1-Sieg gegen Hannover – Rainer Schäfer (Berliner Zeitung) bestaunt die Hamburger Effizienz: "Für den HSV ist die Endphase der Saison inzwischen wie für kein anderes Team zur Frage der Ressourcen geworden. Spiele im Drei- oder Vier-Tages-Rhythmus zählen zu den Strukturelementen einer verrückten Saison. Jetzt scheint alles möglich zu sein. Der HSV schleppt sich mit einer herkulischen Kraftanstrengung durch drei Wettbewerbe, meistert unter enormem Kraftaufwand Aufgabe für Aufgabe und bricht einfach nicht ein."