Das Gebäude stammt noch aus den guten alten neoliberalen Zeiten. Ein riesiger, komplett sanierter Altbau, mitten im Zentrum von Berlin, Unter den Linden. Das Publikum ist vornehm. Es sind "hochvermögende Gäste" wie der Moderator nur halb im Scherz zur Begrüßung sagt. Überall sieht man Manschettenknöpfe blitzen oder man hört das Geräusch von Stöckelschuhen, die über den marmorartigen Fußboden klackern.

Unter dem verglasten Dach haben sich die Prügelknaben der Nation zusammengefunden. Die Stiftung des Deutschen Eigentums hat zum Symposium geladen. Banker, Lobbyisten und Politiker sind gekommen. Es geht ums Eingemachte: um die Finanzkrise, um deren Ursachen und Folgen.

Der Leitspruch der Veranstaltung hängt links neben dem Podium: "Das Eigentum ist ebenso wie die Freiheit ein elementares Grundrecht". Wenige Meter davon entfernt thront das blaue viereckige Logo der Deutschen Bank.

Friedrich Merz ist gewissermaßen der Stargast dieser Veranstaltung. Später wird seine Rede als einzige mehrfach vom Applaus unterbrochen. Doch noch hört der frühere Fraktionschef der Union, der in diesem Sommer nicht mehr für den Bundestag kandidiert, nur zu. Es spricht gerade Paul Kirchhof, also der Mann, dem Angela Merkel 2005 den Vorzug als Schattenfinanzminister vor Merz gab. Das Ende ist bekannt: Für beide gab es keinen Platz in der Großen Koalition.

Obwohl, "nur zuhören" ist untertrieben. Das kann Merz vermutlich gar nicht. Er wippt mit den Füßen, lässt seinen Blick unaufhörlich kreisen, fast jeden Satz kommentiert er: Mal legt er seine Stirn in Falten, mal grinst er, mal nickt er. Einige seiner Fraktionskollegen sagen, dass Merz vor allem deshalb gescheitert sei, weil er ungeduldig und einzelgängerisch sei. Merz selbst sagte einmal, dass er es hasse, hunderten Sitzungen altbekannte Argumente zum hundertsten Mal hören zu müssen. Über wenig könnte er sich so aufregen wie über die "Dummheit" anderer.

Nun, dumm ist der "Professor aus Heidelberg", wie Gerhard Schröder Kirchhof im Wahlkampf nannte, bestimmt nicht. Er hält mit sonorer Stimme ein ziemlich anschauliches Referat zur Finanzkrise. Manch Zuhörer begreift manchen Zusammenhang gewiss zum ersten Mal.