David Kilcullen bekommt inzwischen Albträume, wenn er an Pakistan denkt. Das Land könne binnen sechs Monaten kollabieren, und das würde alle anderen Terrorgefahren in den Schatten stellen, warnt der Terrorexperte, der US-General David Petraeus bereits im Irakkrieg beriet. Pakistan kämpft 61 Jahre nach seiner Geburt ums Überleben. Die Taliban sind auf dem Vormarsch und dringen bereits in die Provinz Punjab vor, die letzte Bastion der Zentralregierung.

Dazu kommt eine Wirtschaftskrise, die das Land in soziale Unruhen stürzen und den Terror noch schüren könnte. In Washington ist man alarmiert: Wenn Pakistan kippt, hat nicht nur Südasien, sondern die ganze Welt ein Riesenproblem. Bei einem Krisengipfel in Tokio wollen 25 Staaten, darunter die USA, China und Deutschland, an diesem Freitag ein Notpaket schnüren.

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari fordert einen "Marshallplan", um sein Land und vor allem die rückständigen Grenzprovinzen, die Brutstätten des Terrors, aufzubauen. Nicht Bomben und Kugeln, sondern Straßen, Schulen und Jobs sollen den Extremismus austrocknen.

Die finanziellen Ziele wurden übertroffen: Pakistan bekam am Freitag Hilfszusagen im Umfang von mehr als fünf Milliarden Dollar. Die USA kündigten an, eine Milliarde Dollar über einen Zeitraum von zwei Jahren zu geben. Allerdings muss der Kongress noch grünes Licht geben. Auch Japan will eine Milliarde Dollar geben. Berlin will trotz der schweren Rezession ebenfalls Geld lockermachen.

Nicht nur der Krieg in Afghanistan entscheidet sich zuerst in Pakistan. Das Land ist inzwischen auch die Kaderschmiede Nummer eins des globalen Terrors. Mehr noch: Pakistan verfügt über Atombomben. Der Gedanke, dass diese in die Hände von Extremisten fallen, lässt nicht nur das Nachbarland Indien schaudern. Über zwei Drittel des Landes habe die Regierung keine Kontrolle mehr, schätzt Kilcullen.

In den wilden Grenzprovinzen haben Talibanchefs wie Baitullah Mehsud oder Hafiz Gul Bahadur Staaten im Staat errichtet. Dort finden auch die in Afghanistan kämpfenden Taliban sichere Häfen. Und das Terrornetzwerk Al Qaida unterhält in dem unwegsamen Niemandsland sein Hauptquartier und trainiert die Bomber von morgen. Der Terror greift in Pakistan um sich. Fast täglich werden Menschen bei Anschlägen getötet.