Hans-Peter Uhl (CSU) ist für Sicherheitsfragen zuständig. Nun hat sich der Unions-Innenpolitiker des Themas Piraten angenommen. Er lässt sich zitieren, die Bundesregierung habe beschlossen, härter gegen die Seeräuber vorzugehen. "Piraten werden künftig mit allen militärischen und polizeilichen Mitteln bis hin zum Einsatz von Anti-Terror-Einheiten hart bekämpft", sagte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Innenpolitik der Unionsfraktion im Bundestag der Neuen Osnabrücker Zeitung und ergänzte: "Bei Piratenangriffen kann es nur eine richtige Antwort geben: "Die Schiffe der Seeräuber müssen auf hoher See unverzüglich versenkt werden."

Das Problem: Allein seit Anfang des Monats haben Piraten vor der Küste Somalias mindestens zehn Schiffe gekapert. Unter anderem besetzten somalische Seeräuber den deutschen Frachter Hansa Stavanger mit fünf Deutschen an Bord. Sie legten sich mit dem US-Militär an und enterten eine französische Segeljacht, immer mit dem Ziel, für Geiseln Lösegeld zu erpressen. Die EU-Militärmission Atalanta versucht primär, die Piraten aus den Handelsrouten zu vertreiben.

CSU-Politiker Uhl fürchtet einen Rufschaden für Deutschland, sollte die Bundeswehr so weiter machen wie bisher. Mit weiterer Zaghaftigkeit "macht sich der deutsche Staat nur lächerlich". Seine Änderungswünsche sind konkret: Die Marine müsse endlich ihre Bordwaffen einsetzen. Auch robuste Einsätze von Spezialeinheiten seien unverzichtbar, um gekaperte Schiffe rasch zurückzuerobern und Piraten damit abzuschrecken. Das EU-Mandat für die Anti-Piraten-Mission lasse den Einsatz von Waffengewalt ausdrücklich zu. Der Bundeswehrverband positionierte sich am Freitag ähnlich.

Stimmt, heißt es im Bundesverteidigungsministerium. Doch Schiffe "unverzüglich zu versenken" gehöre deshalb noch lange nicht zum Repertoire der Alliierten am Horn von Afrika. Die Militärmission Atalanta "schließt nicht aus, gegen Mutterschiffe von Piraten vorzugehen", erläuterte ein Sprecher. Sie diene jedoch in erster Linie dem Schutz der Handelsschiffe.

Zudem sei es bei der Vielzahl der Schiffe im Golf von Aden und nördlichen indischen Ozean schwer, Piraten zu erkennen. "Die haben doch keine Piratenflagge drauf." Das vor wenigen Tagen aufgebrachte Mutterschiff habe das französische Militär nur aufgrund des Verhaltens der Besatzung erkennen können, als es eine Attacke auf einen Frachter unter liberianischer Flagge vereitelte. Erst sobald sich etwa mehrere Wasserfahrzeuge einem Schiff nähern, könnte es sich um ein Mutterschiff handeln, erklärte der ministeriale Militärfachmann.

Für zusätzliche Unsicherheit sorgt der Trend, dass Piraten sich durch Flüchtlingstransporte tarnen. "Wir haben inzwischen Anzeichen dafür, dass es Verbindungen zwischen den Piraten und den Menschenschmugglern gibt", sagte Nabil Othman, Vize-Repräsentant des UN-Flüchtlingshilfswerkes im Jemen. Dass viele Kapitäne wegschauten, wenn sie die oft kaum seetüchtigen Flüchtlingsboote sehen, kommt den Freibeutern entgegen. "Es gibt inzwischen Somalier, die auf der Überfahrt ein doppeltes Geschäft machen, erst bringen sie Flüchtlinge in den Jemen, und auf dem Weg zurück überfallen sie ein Schiff", sagte ein Somalier, der seit Jahrzehnten in Aden lebt.

Der Unions-Innenpolitiker Uhl fühlte sich möglicherweise ermutigt durch US-Außenministerin Hillary Clinton, die einen härteren Kurs angekündigt hatte. Dem Verteidigungsministerium zufolge ist aber von Deutschland kein solcher Strategiewechsel zu erwarten. Das Risiko von Fehlern ist hoch: Schwenke man von der präventiven Linie um auf eine offensive, "steigt das Risiko, dass man die Falschen trifft". So erging es etwa der indischen Marine, die Ende November ein thailändisches Fischerboot versenkte, im Glauben, eine Piratenschaluppe vor der Mündung zu haben.