Wie man die Welt dazu bringt, effektiver mit politischen Problemen umzugehen, die uns alle angehen, beschäftigte die Konferenz "Global Governance at a Crossroads" im Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. Eine Tagung, die es lohnte, dabei gewesen zu sein. Die weitaus größte Mehrheit der 30 Anwesenden aus Ägypten, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Südafrika, USA und Deutschland bewegten sich weit jenseits eines Wunschdenkens. Sehr rasch begannen die Teilnehmer vorrangig über das, "was geht" zu sprechen, als über "das, was wir in einer perfekten Welt tun sollten." Angesichts der schlechten Verfassung jener internationalen Institutionen, die als Instrumente für die Umsetzung von Global Governance genutzt werden sollen, wurde die Konferenz zum genau richtigen Zeitpunkt geführt.

Vier vorrangige Schlussfolgerungen brachte diese Zusammenkunft hervor.

Nationalstaaten werden weiterhin das Fundament der internationalen Ordnung sein, mit ihnen muss als primärer politisch-gestaltender Block internationalen Organisationen gerechnet werden.

Wir sind mitnichten auf dem Weg in ein goldenes Zeitalter, in dem sich Staaten selbst auflösen oder etwa ihre Vorrechte abgeben würden. Dies umso mehr, als die aufstrebenden Mächte, wie Brasilien, Russland, Indien und China, viel mehr als ältere Großmächte, wie etwa die Vereinigten Staaten, keineswegs darauf Wert legen, mit der EU und ihrem Ideal der Abgabe eines großen Teils der Souveränität übereinstimmen zu wollen. Tatsache ist, dass der Nationalstaat als primäre politische Einheit des internationalen Systems quicklebendig ist. Wer dies nicht glaubt, frage doch die Chinesen, Russen oder Inder, ob sie wesentliche Teile ihrer Macht an die Vereinten Nationen oder eine regionale Organisation abgeben würden.

Wenn es stimmt, dass Staaten, die sich im Kontext internationaler Institutionen zu internationalen Lösungen verpflichten, ein wenig in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt würden, dann müssen sie davon überzeugt werden, dass dies in ihrem Interesse geschieht.

Wenn es internationale Aktivisten nicht schaffen, politische Entscheidungsträger zu überzeugen, dass eine bestimmte globale Initiative für das jeweilige Land sinnvoll ist, dann hat es diese Aktion auch verdient zu scheitern. Aber es kann etwas getan werden. Einer der mexikanischen Kollegen hatte sich während der Konferenz für einen amerikanischen Anschub im Sinne eines Nach-Kyoto-Protokolls eingesetzt, indem er ganz neutral sagte: "Amerika könnte jetzt etwa 1% seines Bruttosozialprodukts oder später auch das Zehnfache zahlen, jeweils direkt im Anschluss an eine Umweltkatastrophe." Das ist mal ein Argument, weit entfernt von den üblichen Larifari-Forderungen unsichtbarer internationaler Bürokraten, mit dem die Vereinigten Staaten ihre Interessen mal zurückstellen und ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden könnten. Das hätte in Washington ein beachtliches Echo zur Folge.

Wenn internationale Organisationen auch in Zukunft arbeitsfähig bleiben wollen, müssen sie Machtrealitäten zur Kenntnis nehmen und sich diese nicht wegwünschen.