Sammler von Köln, kündigt Eure Zweitwohnung in Berlin, Ihr könnt am Rhein bleiben! Die internationale Kunst kehrt zurück mit der Rental Gallery. Die Idee ist simpel, und es wundert, dass in ganz Europa noch keiner die Idee übernommen hat, denn in den USA gab es ein ähnliches Modell in Los Angeles und im Herbst 2005 eröffnete die Namensgeberin in New York.

Die Rental Gallery ist, wie der Name sagt, eine Galerie zum Mieten: variabel bestückbare, an keinen bestimmten Galeristen gebundene Räumlichkeiten, die Galeriebetreiber aus der ganzen Welt für – wie man in Köln sagen würde – "‘n Appel und ’n Ei" einige Wochen lang beziehen können. So haben zwei Seiten etwas davon: Eine Galerie aus Kapstadt etwa kann ihre Künstler günstig auch im fernen Europa anbieten, und Kunstsammler und Kuratoren aus Deutschland müssen nicht weit reisen, um Neues zu entdecken. "Die Rental Gallery gibt Galerien die Möglichkeit, sich auch ohne Messe hier präsentieren zu können", sagt Thomas Rehbein, einer der Initiatoren.

Die Räume der neuen Galerie in Köln, die am 19. April kurz vor Start der 43. ArtCologne  eröffnet, sind mit dem notwendigen Flair behaftet: Im Parterre eines Gebäudes aus den dreißiger-Jahren, mitten in der Stadt in der Nähe des Neumarkts, betritt man eine knapp 300 Quadratmeter große Halle mit konvexen Deckenfenstern als einzigen Lichtquellen. Die Räume dienten mal der Herstellung von Kugellagern, mal als Lager für Schuhe. Nun, mit den weißen Ausstellungswänden im Kontrast zum schwarzen Steinfußboden, sieht alles sehr chic aus. Die ersten, die hier ausstellen, sind die Galerien Galerist aus Istanbul und The Breeder  aus Athen. Die Miete bis zum Ausstellungsende am 23. Mai beträgt gerade einmal 1500 Euro.

Doch nicht nur die internationalen Galeristen, die das Projekt ansprechen soll, und die Sammler, sondern auch die anderen Galeristen der Stadt hätten etwas davon, sagt Rehbein, selbst Betreiber einer renommierten Galerie im Belgischen Viertel. Man will den einst führenden Kunststandort Köln rehabilitieren und ihm wieder zu Größe verhelfen. Hat man eine Weile perplex zugeschaut oder ist gleich mitgezogen, als so viele Künstler und Galeristen nach Berlin abwanderten, arbeitet man nun engagiert dagegen an, "trommelt", wie Rehbein sagt, der auch einer der Sprecher der Kölner Galerien ist, "so laut wie möglich, um zu zeigen, dass auch hier etwas los ist". Und tatsächlich: Einige der etablierten Galerien sind zwar in die Hauptstadt gezogen, andere aber, wie die Galerie Daniel Buchholz oder Gisela Capitain sind noch hier (wenngleich mit Dependancen in Berlin). Und neue, junge Galeristen kommen hinzu. Auch junge Künstler, die zwar auf den berühmten Kölschen Klüngel und auf zu viel Bürokratie schimpfen, zeigen neues Selbstbewusstsein und verweisen auf Kippenberger & Co., auf die Zeit, als die Kunststadt Köln vibrierte.

Dass das Projekt parallel zur ArtCologne ins Leben gerufen wird, ist kein Zufall. Daniel Hug, der als neuer, hoffnungsvoller Direktor der Kunstmesse den Karren aus dem Graben zu ziehen scheint, gehört mit zu den Initiatoren der Rental Gallery. Außerdem gehören dem "Verein zur Förderung des Kunststandortes Köln" neben Thomas Rehbein unter anderem noch der Kölner Galerist Christian Nagel an, der selbst bereits Mieter der New Yorker Vorbildgalerie war, die Berliner Galeristin Esther Schipper, die Kuratorin und Direktorin des Ludwig Forums für Internationale Kunst in Aachen, Brigitte Franzen, und die Künstlerin Daniela Steinfeld. Den Plan für das Unternehmen fassten sie bereits vor zwei Jahren, es ist also keine aus der Not der Krise geborene Idee.