Nur schwer lässt sich die massive Eisentür öffnen. Ein leicht süßlicher Geruch dringt aus dem kleinen Raum. Durch die Fenster gelangt nur wenig Sonnenlicht hinein. Erst durch die beiden Neonröhren an der Decke wird der Raum in kaltes Licht getaucht.

Mitten im Raum steht ein Metalltisch, ähnlich denen in Operationssälen. Auf ihm liegt ein von einem weißen Tuch verhüllter Leichnam. Mit langsamen Schritten bewegt sich Lennart Berner auf den Tisch zu. Sein schwarzer Anzug, die schwarze Krawatte und das weiße Hemd lassen den Bestatter in dieser sterilen Umgebung fehl am Platz wirken. Sein Blick ist ernst, als er mit einer schnellen Bewegung das Leichentuch wegzieht.

Enthüllt wird der Leichnam einer 72-jährigen Frau. Sie trägt einen dunkelroten Samtanzug mit kleinen goldfarbenen Knöpfen und dicke, beige Angorasocken. Ihr Kopf ist kahl. "Sie ist erst vor fünf Stunden an Krebs gestorben", sagt Berner, während er die Tote eingehend betrachtet.

Ihre Haut ist fahl und seltsam wächsern. Die grauen Augen liegen weit in den Höhlen und ihr Mund ist klaffend. Sie hat kaum noch Zähne. Ihr Gesicht sieht schmerzverzerrt aus. Leichenflecke übersäen ihre gelblichen Hände. Starr und irgendwie verdreht sind ihre Finger vor dem Körper wie zum Gebet verschränkt.

Seit 2003 arbeitet Lennart Berner als Bestatter. Heute soll er den Leichnam der Frau für die Aufbahrung vorbereiten. "Die Verabschiedung ist das letzte Bild, das die Angehörigen haben. Deshalb habe ich die Verantwortung, ein möglichst friedvolles Bild der Toten zu schaffen", sagt der 35-Jährige ernst und streift sich einen weißen OP-Kittel über.

Bis auf das leise Surren der Klimaanlage ist alles still. Berner zieht einen Satz Gummihandschuhe aus der Packung, die auf einem kleinen Metalltisch steht. Ausgebreitet auf einem grünen Tuch liegen dort Schläuche, Metallschalen, Operationsbesteck, Watte und eine große Pinzette. Doch der Bestatter greift nach einer Sprühflasche mit Desinfektionsmittel. Das Formalin sprüht er auf Gesicht und Hände der Frau und in ihre Nasenlöcher. Es soll die Bakterien töten.