20 der 24 Seeleute des Anfang April gekaperten deutschen Frachters "Hansa Stavanger" sind nach Informationen der NGO Ecoterra auf das somalische Festland verschleppt worden. Die Piraten taten dies offenbar aus Furcht vor einer Befreiungsaktion. Unklar ist allerdings, ob auch die fünf deutschen Besatzungsmitglieder unter den Verschleppten sind.

Wie die Nicht-Regierungsorganisation weiter berichtet, hätten die Piraten von bewaffneten Milizangehörigen Verstärkung bekommen. Die schwer bewaffneten Männer gingen an Bord der "Hansa Stavanger", die derzeit in der Nähe von Haradhere vor Anker liegt. Die Hafenstadt in der halbautonomen Region Puntland ist als Piratenhochburg bekannt.

Das Auswärtige Amt wollte sich zu dieser neuen Entwicklung und zum Schicksal der deutschen Seeleute nicht äußern. Ein Sprecher sagte lediglich, der Krisenstab versuche "alles", damit die Geiseln freigelassen würden. Die Deutschen befänden sich in einer gefährlichen Lage. Zu ihrem Schutz würden keine Details veröffentlicht.

Unterdessen gibt es offenbar europäische Bestrebungen, den Kampf gegen die Piraterie in den Gewässern vor Somalia zu intensivieren, indem weitere Kriegschiffe dorthin geschickt werden sollen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Kreisen des Europäischen Rates erfuhr, sollen im Mai zwei Fregatten und ein Versorgungsschiff aus Schweden die internationale Flotte vor dem Horn von Afrika verstärken. Die Niederlande und Norwegen würden im August mit je einem Schiff nachziehen.

Auch der Bundeswehrverband hatte die bisherige Bekämpfung der Piraten als zu zaghaft kritisiert und gefordert, Mutterschiffe direkt anzugreifen und gekaperte Schiffe zu befreien. Die Bundesregierung dagegen hält das bisherige Marine-Mandat für völlig ausreichend. Forderungen nach schärferen Regeln seien überflüssig, weil die bestehenden bereits scharf seien, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Das deutsche Mandat für die Beteiligung an der EU-Operation "Atalanta" enthalte alle für den Einsatz nötigen Maßnahmen. Dazu kann auch das Ausschalten eines Mutterschiffes gehören.