Viel besser hätte das Wochenende für die SPD und ihren Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier nicht laufen können. Die PR-Strategie des Willy-Brandt-Hauses scheint aufgegangen zu sein: Die SPD ist etwas nach links gerückt, verspricht in ihrem Wahlprogramm einen Umverteilungs- und Gerechtigkeitswahlkampf. Gleichzeitig hat ihr Kanzlerkandidat weiterreichende Begehrlichkeiten der Parteilinken abgewehrt. So konnte sich Steinmeier in der Rolle des moderaten Pragmatikers profilieren, als Mann der Mitte, der regieren will und regieren kann.

Alle haben mitgespielt. Die Partei samt ihren Flügeln, die Opposition und sogar der Koalitionspartner. 

Die Parteilinken hatten kurz vor Redaktionsschluss noch vergeblich gefordert, die Vermögenssteuer in das Wahlprogramm aufzunehmen. Das Ansinnen wurde abgelehnt, und Steinmeier konnte sich damit als Gegner von Steuererhöhungen profilieren - obwohl er gerade erst die Reichensteuer abgesegnet hatte.

Dass die SPD, die Reichen zur Kasse bitten will, schadet Steinmeier nicht. Die meisten Menschen im Lande halten sich nicht für reich, sind aber sehr wohl der Meinung, die Reichen sollten für die Wirtschaftskrise mehr zahlen. Anders ist es mit der Vermögenssteuer. Die ist unpopulär, weil viele Wähler Angst um ihr Erspartes haben, obwohl sie weit unter jenen Vermögensgrenzen liegen, die bei der SPD im Gespräch waren.

Über die Idee des Lohnsteuerbonus sind die Experten hergefallen. Sie haben so der Idee, kleine Steuerzahler für den Verzicht auf eine Lohnsteuererklärung mit 300 Euro zu belohnen, die höchstmögliche mediale Aufmerksamkeit verschafft - nicht unbedingt zu ihrem Nachteil: Für viele Betroffene hingegen klingt das sozialdemokratische Wahlgeschenk aller Experten-Kritik zum Trotz durchaus verlockend.

Nicht nur die FDP, sondern auch die Union hat das Wahlprogramm der SPD gegeißelt. Sie baue damit die größtmögliche Distanz zu der Partei auf, mit der sie immerhin seit dreieinhalb Jahren in der Großen Koalition politische Verantwortung trägt. Gleichzeitig hat das bürgerliche Lager so bereits jene machtstrategische Aufstellung genommen, die den ganzen Wahlkampf prägen wird. Der SPD muss diese Distanzierung nicht schaden, im Gegenteil. Denn aus ihrer Sicht manifestiert sich der Wahlkampf so: bürgerliche Mehrheit gegen sozialdemokratische Inhalte.