Der Satz ist nett gemeint, aber er offenbart das ganze Dilemma. Er fällt kurz nach der Rede des SPD-Kanzlerkandidaten, ausgesprochen von einer jungen Genossin, die sich einen roten "Frank-Walter"-Button an die Bluse geheftet hat. Ihre Begleiter lästern über den Auftritt Steinmeiers. Sie nimmt ihn in Schutz und sagt: "Er hat schon versucht, die Leute mitzunehmen."

Genauso war es. Steinmeier hat sich bemüht. Der Außenminister weiß, dass seine Nominierung von manchem Parteifreund kritisch gesehen wird. Er ist der frühere Kanzleramtschef unter Gerhard Schröder. Er ist der Architekt der Agenda 2010. Er ist kein Liebling der Basis. Keiner vom linken Flügel, der in dieser Legislaturperiode Auftrieb erhalten hat. Als Außenminister wird er zwar geschätzt, aber wenn's ans Eingemachte geht: an die Sozialpolitik, wussten viele Sozialdemokraten bislang nicht, ob sie ihrem Frank-Walter trauen können.

Diesen Vorwurf hat Steinmeier am Sonntag, dem offiziellen Auftakt der SPD in den Wahlkampf, also zu entkräften versucht. In seiner gut einstündigen Rede im Berliner Tempodrom wimmelte es nur so von Passagen, in denen er den enthemmten, globalisierten Kapitalismus kritisierte und den sozialen, starken Staat pries. Er schimpfte auf die "Jagd nach Maximalrenditen" und auf "Manager, die 500 Mal so viel verdienen wie Krankenschwestern". Dafür seien "Marktradikale" politisch verantwortlich, wie er es mehrfach nannte.

Steinmeiers Botschaft an seine Partei war unschwer zu erkennen: Fürchtet euch nicht!, schien er ihr zuzurufen. Ich stehe für soziale Gerechtigkeit. Und ich weiß, wo unsere ideologischen Feinde sitzen.

Dennoch sprang der Funke nicht über. Zwar applaudierten die 2000 Zuhörer in jeder Redepause Steinmeiers ordentlich, aber eben nicht frenetisch. Und das lag nicht mal in erster Linie an den Inhalten, sondern an Steinmeiers Performance. Er ist einfach kein mitreißender Redner. Er spricht laut, aber monoton, er ist nicht spontan, sondern klebt an seinem Manuskript. Einige Zuhörer verließen den Saal vor dem Ende der Rede, weil sie sich, nun ja: langweilten.