Die Wall Street ist in Frühlingslaune. Nach zwei Jahren schwerster Stürme im Finanzsystem und Hunderten Milliarden Abschreibungen meldeten die großen amerikanischen Banken wieder Gewinne. Und zwar kräftige: Wells Fargo, die Nummer vier der Branche, verblüfft Investoren und Analysten sogar mit drei Milliarden Dollar Gewinn in den ersten drei Monaten des Jahres – dem höchsten Quartalsgewinn in der Geschichte des Instituts. Goldman Sachs folgte mit einem Gewinn von 1,81 Milliarden, und JP Morgan Chase verbuchte 2,1 Milliarden Dollar. Auch die halb verstaatlichte Citigroup schrieb nach fünf Quartalen mit Rekordverlusten erstmals wieder schwarze Zahlen.

Die Investoren feierten mit: Finanzaktien erlebten vergangene Woche ein Comeback. Auch unter Insidern macht sich neuer Optimismus breit. "Schneller als sie begonnen hat, ist die Bankenkrise beendet", jubelt Douglas McIntyre, der den Blog 24/7 Wall St. betreibt. Goldman Sachs sammelt bereits Geld ein, um die Finanzspritze der Regierung zurückzuzahlen und sich so vor staatlicher Gängelei zu schützen. Die Rückzahlung des inzwischen ungeliebten Staatsgeldes kündigte auch JP Morgan-Boss Jamie Dimon als sein nächstes Ziel an.

Der Jubel dürfte von kurzer Dauer sein. Als "Head Fake" – Hirngespinst – tut Chris Whalen von Institutional Risk Analytics, einer Beraterfirma für Großanleger, das Erfolgsquartal ab. Denn zu den Ausnahmeergebnissen trugen nicht zuletzt die Milliardenhilfen der Notenbanken und Regierung bei, die mittlerweile historische Ausmaße erreichen.

Alle großen Institute profitieren von Hunderten Milliarden an staatlichen Direktinvestitionen und Garantien. Allein Citigroup erhielt zuletzt 45 Milliarden Dollar direkt vom Staat, der amerikanische Steuerzahler garantiert zudem 306 Milliarden Dollar an wackligen Papieren. Die Notenbank hat die Leitzinsen auf nahe Null gesenkt – tiefer geht es nicht. Billionen an Liquidität fließen in die Kreditmärkte. Das befördert das Geschäft der Banken, etwa die Refinanzierung von Hypotheken. Davon profitierte nicht zuletzt Wells Fargo.

Hinzu kommen veränderte Bilanzierungsregeln: Citigroup hat öffentlich eingeräumt, einen Teil des Gewinns schlicht durch eine Buchhaltungsregel erreicht zu haben. Goldman Sachs kam die Umstellung des Geschäftsjahres auf das Kalenderjahr sehr entgegen. Andernfalls hätte der miserable Dezember noch in das Quartal gezählt – mit einem Minus nach Steuern von 780 Millionen Dollar.