In der Zypernpolitik hat die EU alles falsch gemacht, was sie falsch machen konnte. Die Quittung dafür stellten ihr gestern die Wähler im türkischen Nordzypern aus. Mit 44 Prozent der Stimmen machen sie den nationalistischen Hardliner Dervis Eroglu zum großen Sieger der Parlamentswahlen. Die Wiedervereinigung der Insel wird dadurch schwieriger.

Denn Eroglus Nationale Einheitspartei, die künftig allein regieren kann, lehnt einen föderativen zyprischen Staat ab und ist nur zu einer losen Konföderation mit der griechisch dominierten Republik Zypern bereit. Die regierende Republikanisch Türkische Partei (CTP) erreichte nur knapp 30 Prozent der Stimmen. Dabei hatte ihr Kandidat bei der Präsidentenwahl, Mehmet Ali Talat, 2005 noch 55 Prozent der Stimmen geholt.

Die CTP wurde 2003 zum Motor der Wiedervereinigungsbewegung. Der Friedensplan des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan hatte den Zyperntürken erstmals eine hohe Eigenständigkeit bei einer Wiedervereinigung angeboten. Die Wähler im Norden der Insel stimmten daraufhin 2004 beim Referendum mit "Ja" zum Annan-Plan. Sie hofften nicht nur auf ein Ende des Embargos, das die UN 1983 gegen den Ministaat verhängte, weil er einseitig seine Unabhängigkeit erklärte hatte. Stärker noch war die Hoffnung der Zyperntürken in die EU.

Der Norden der Insel, in dem fast ausschließlich Türkisch sprechende Zyprioten leben, ist deutlich kleiner als der Süden und hat weniger Einwohner. Um in einem von Griechen dominierten Zypern ein Mitspracherecht zu haben, setzten die Türken auf die EU. Das wiedervereinigte Zypern würde Mitglied in der Union werden, Minderheitenschutz wäre damit garantiert. Doch die Hoffnungen wurden gründlich enttäuscht: Die Zyperngriechen sagten "Nein" zum Plan.

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