Der Außerordentliche Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der heute im Congress Center Düsseldorf stattfindet, wird der erste sein, bei dem die Mitglieder gegen die Verbandsspitze protestieren. Sie werden eine Protestnote überreichen, in ihre Pfeifen trillern, mit Transparenten wedeln und fordern: Sonntag nicht vor 17.30! Und der DFB? Versucht mit allen Mitteln, einen von der DFL diktierten Grundlagenvertrag durchzudrücken, statt seinen Mitgliedern zur Seite zu springen.

Das Unheil nahm Ende vergangenen Jahres seinen Lauf. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) unterschrieb für ihre 36 Profivereine einen TV-Vertrag bis 2013, der jährlich im Schnitt 412 Millionen Euro garantiert und so viel Brisanz enthält wie selten. Ab der neuen Saison wird um 15.30 Uhr ein Sonntagsspiel stattfinden, zu sehen live im Bezahlfernsehen. Damit tritt die Bundesliga in direkte zeitliche Konkurrenz mit dem Amateurfußball, dessen Kernzeit Sonntag 15 Uhr ist. Dennoch will der DFB den Fernsehvertrag der Profis absegnen lassen. Die 260 Delegierten sollen einen neuen Grundlagenvertrag mit der DFL beschließen, der Sonntagsspiele vor 17.30 Uhr erlaubt. Und damit nachträglich das legitimieren, was die DFL mit Premiere bereits ausgehandelt hat. Der DFB, Vertreter der 26.000 Amateurvereine, handelt wie ein Gehilfe der Profivereine.

Im aktuellen Grundlagenvertrag heißt es unter Paragraph 10, Absatz 1: "Der Ligaverband verpflichtet sich zum Schutz des Amateurfußballs, sonntags bis 17.30 Uhr möglichst keine Spiele der Bundesliga anzusetzen." Diesen Absatz hat die DFL schon mit ihren beiden Sonntagsspielen um 17 Uhr missachtet, jetzt treibt sie es mit dem 15.30-Uhr-Spiel auf die Spitze. Im neuen Vertrag wird diese Passage nun geändert. Wie genau, das sollte die Öffentlichkeit eigentlich erst auf der Versammlung erfahren. Bisher liegt der Vertrag nämlich nur den Präsidien von DFB und DFL vor.

Wie DFB-Vizepräsident Hermann Korfmacher jedoch ZEIT ONLINE bestätigt, sollen die Verbandsvertreter nicht einmal am Freitag den fertigen Grundlagenvertrag zu sehen bekommen. Stattdessen wird das Präsidium den Delegierten ein "Eckwertepapier" vorstellen. Wenn dieses bestätigt werde, wollen DFB  und DFL den endgültigen Grundlagenvertrag dann lieber alleine zu Ende schreiben. Sicher ist sicher.

Was jedoch klar ist: Die Amateur-Passage wird im Sinne der DFL verändert: Statt der Anweisung "möglichst keine Spiele der Bundesliga vor 17.30 Uhr anzusetzen" heißt es nun sinngemäß: In Kenntnis und Anerkennung der Anliegen des Amateurfußballs sollen keine Spiele der Bundesliga vor 15.30 und soweit möglich nicht mehr als fünf Spiele der Lizenzfußballer am Sonntag stattfinden. Außerdem sollen keine Sonntagsspiele live im Free-TV zu sehen sein. Die Formulierung "soweit möglich" lässt alle Türen offen. Besser hätte es für Bundesliga und Premiere nicht lauten können.

Die Amateure fürchten um ihre Existenz. Einer davon ist der SC Schaffrath. Der Gelsenkirchener Verein ist im vergangenen Jahr in die Kreisliga A aufgestiegen, liegt im direkten Einzugsbereich der Bundesliga-Klubs Schalke, Bochum und Dortmund. Schaffraths Vorsitzender Reiner Grundmann führt seit Monaten den Protest der Amateure an.