ZEIT ONLINE: Herr Krupp, die DEL-Stadien sind mit 6000 Zuschauern pro Spiel recht gut gefüllt, im deutschen Fernsehen allerdings findet Eishockey seit Jahren kaum noch statt. Welchen Stellenwert hat Ihre Sportart?


Uwe Krupp: In der öffentlichen Wahrnehmung ist Eishockey bei den Mannschaftssportarten die Nummer zwei hinter Fußball. Was wir aber in Deutschland benötigen, ist mehr mediale Aufmerksamkeit. Es ist unbedingt erforderlich, dass auch die Liga im frei empfangbaren Fernsehen sichtbar ist. Damit erreichen wir eine breitere Öffentlichkeit, so wie zum Beispiel mit dem Eröffnungsspiel der WM 2010 auf Schalke mit über 70.000 Zuschauern. Aber vorher müssen wir die Schritte bis dahin machen: Die WM in der Schweiz, der Deutschland-Cup in München 2009, die Olympischen Spiele in Vancouver, das sind alles Wegmarken hin zur WM 2010, die einen Meilenstein für das deutsche Eishockey darstellen. Dabei müssen wir Werbung für unseren Sport machen und uns kontinuierlich weiterentwickeln.

ZEIT ONLINE: 2009 ist bisher ein gutes Jahr für Sie. Sowohl bei der Olympia-Qualifikation als auch in der WM-Vorbereitung hat sich Ihre Mannschaft bisher sehr gut geschlagen. Wo sehen Sie Ihr Team vor dem morgigen Start der WM im internationalen Vergleich?

Krupp: Wir haben uns zuletzt konstant durchgesetzt gegen Mannschaften, die in der Weltrangliste ungefähr auf Augenhöhe sind, also um Platz zehn herum. Das gibt uns Selbstvertrauen. Wir erinnern uns auch gerne an Siege gegen große Favoriten wie Tschechien vor zwei Jahren und an frühere fünfte und sechste Plätze bei Weltmeisterschaften. Aber wenn wir die vermeintlich schwächeren Franzosen unterschätzen (deutscher Gruppengegner; Anm. d. Red.), finden wir uns schnell in der Abstiegsrunde wieder. Das Viertelfinale wäre für uns so viel wert wie der Gewinn einer Weltmeisterschaft für die Fußballer.

ZEIT ONLINE: Im ersten Spiel wartet mit Weltmeister Russland gleich ein fast unbezwingbarer Gegner. 

Krupp: Wir haben gegen die Russen nichts zu verlieren. Wird es knapp, werden uns alle sagen: Gut gekämpft! Wenn wir 1:5 oder 1:6 verlieren, heißt es: Die Russen sind eben stark. Es wird vor allem ein guter Test für die Spieler, die wir noch nicht in der Vorbereitung gesehen haben, also etwa für einen Sven Felski oder einen Daniel Kreutzer. Beide haben mit ihren Teams bis zuletzt im DEL-Finale gespielt und sind jetzt erst mal platt und emotional fertig. Trotzdem müssen sie beweisen, dass sie zu den besten zwölf deutschen Stürmern gehören, sonst sind sie nächstes Jahr nicht mehr dabei. Für uns zählt nicht, ob einer müde ist oder was er theoretisch leisten könnte. Es zählt nur die Frage: Wer macht bei uns den Job auf dem Eis?

ZEIT ONLINE: Die Zusammenarbeit zwischen Nationalteam und Vereinen ist traditionell schwierig. Zuletzt haben Sie erfolglos versucht, für die WM 2010 in Deutschland mehr Zeit zur Vorbereitung zwischen Liga-Finale und Turnierstart herauszuschlagen. Dieses Jahr sind es nur neun Tage – wohl einmalig im Profisport. Frustriert Sie das?

Krupp: Nein. Die Interessen der DEL-Klubs liegen nun mal anders. Es ist nicht einfach für sie, mit den Stadionbetreibern zusammenzuarbeiten, die mit vielen Spielen ihre Hallen auslasten wollen. Da steht das Nationalteam ganz klar hintenan. In den vergangenen Jahren haben wir gesehen, dass die Finalspieler sehr müde zu uns kamen. Daher haben wir nun weniger von ihnen nominiert, denen aber für den Rest der Vorbereitung freigegeben. Vielleicht sind sie dann ein bisschen rostig, aber wenigstens erholter.