Künftig brauchen Rating-Agenturen eine Zulassung und müssen sich von den Behörden kontrollieren lassen. Das sieht die vom Europäischen Parlament am Donnerstag verabschiedete Verordnung vor. Damit ziehen die Gesetzgeber eine erste handfeste Konsequenz aus der Finanzkrise, die die Agenturen durch krasse Fehleinschätzungen der Kreditrisiken in den USA mit verursacht haben.

Auch die Botschafter der EU-Mitgliedstaaten stimmten am Donnerstag den Regeln zu, so dass deren Verabschiedung im EU-Finanzministerrat im Mai nur noch Formsache ist und sie Anfang nächsten Jahres in Kraft treten können. "Durch diese Verordnung dürfte sich das Geschäftsgebaren der Rating-Agenturen erheblich verbessern, was für die Integrität und Stabilität der Finanzmärkte ganz klar von Vorteil ist", sagte EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy.

Anleger zu spät gewarnt

Den marktbeherrschenden amerikanischen Kreditwächtern Moody's und Standard & Poor's sowie der aus Frankreich stammenden Agentur Fitch Ratings wird vorgeworfen, die Anleger zu spät vor den Risiken der US-Hypothekenmarktpapiere gewarnt zu haben. Da sie vielen komplexen Finanzinstrumenten beste Noten erteilten, hätten "sich auch unerfahrene Anleger" ermutigt gefühlt, mit hohen Risiken belastete Papiere ohne angemessene Risikobewertung zu erwerben", hieß es bei der EU.

Die Bonitätswächter geben Noten dafür, wie zuverlässig ein Unternehmen oder Staat als Emittent am Kapitalmarkt seine Schulden zurückzahlt. Ziel der Regulierung ist es, die Qualität der Bewertungen von Kreditprodukten zu verbessern. Doch greift sie nicht in die Bewertung ein.

Ein Kernproblem war bisher, dass die Agenturen bei der Schaffung von Finanzprodukten mitwirkten, die sie anschließend zu bewerten hatten. In der EU ist das künftig nicht mehr möglich.