ZEIT ONLINE: Herr Hämmerli, Sie haben einen Schnelltest erfunden, mit dem Singles im Internet künftig ihren Körperduft abgleichen können. Warum ist der Geruch beim Flirten so wichtig?

August Hämmerli: Man hat herausgefunden, dass die Geruchskomponente, die vom Immunsystem geprägt wird, bei der Partnerwahl eine Rolle spielt. Menschen bevorzugen instinktiv einen Partner, dessen Immunsystem sich vom eigenen unterscheidet. Und das erkennen sie am Geruch.

ZEIT ONLINE: Und welche Stoffe sind für die Partnerwahl entscheidend?

Hämmerli: Das sind die Haupthistokompatibilitätskomplex-, oder kurz MHC-Moleküle. Diese Eiweiße markieren normalerweise Zellen danach, ob sie gesund, krank, körpereigene oder fremde sind. Sie binden Bruchstücke von Fremdeiweißen, die zum Beispiel von Bakterien oder Viren stammen, nach einer Infektion und melden sie den körpereigenen Abwehrzellen. Und sie prägen  einen Teil unseres Körpereigengeruchs. Je unterschiedlicher die MHC-Moleküle von zwei Personen sind, desto attraktiver finden sie sich. Welche Rezeptoren für diese Wahrnehmung verantwortlicih sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Aber man weiß heute, dass es ein individuelles Geruchsprofil gibt, das vom Immunsystem geprägt wird.

ZEIT ONLINE: Sie haben in Bern studiert, als Claus Wedekind dort seine T-Shirtstudie durchgeführt hat. Er fand heraus, dass Frauen sich bei der Wahl ihres Partners an deren Geruch orientieren. Gab das den Anstoß für die Entwicklung ihres Schnelltests?

Hämmerli: Wedekinds Experimente haben mich damals schon fasziniert. Es sind ja dann etliche Folgestudien und auch Populationsstudien dazu gemacht worden. Auch am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön wird seit vielen Jahren mit einem Modellsystem an diesem Thema geforscht.

ZEIT ONLINE: Wie wurde der Test entwickelt?

Hämmerli: Das ist eine Kollaboration zwischen der ETH Zürich, der Universität Lausanne und der Firma Basisnote. In den Labors an der ETH wird an der Biochemie des Tests gearbeitet. In Lausanne haben wir psychologische Tests durchgeführt. Zudem gab es zum Beispiel Feldtests im Rahmen von Speed-Flirting-Events in Zürich.Seit 2,5 Jahre arbeiten wir jetzt daran. Finanziell unterstützt wurden wir bei diesem Forschungsobjekt von der Schweizer Kommission für Technologische Innovation (KTI).

ZEIT ONLINE: Wie kam man darauf, den Test für Online-Kontaktbörsen zu nutzen?

Hämmerli: Das war eigentlich von Anfang an relativ klar, weil es dort am meisten Sinn ergibt. Im Online-Dating kann man viele Sinne einsetzen. Man kann die Augen brauchen, zum Teil gibt es Chatfunktionen. Man kann sich sehen und sich schreiben. Nutzer erfahren zum Teil durch psychologische Tests viel über den Hintergrund der anderen Person. Aber man hat eigentlich keinen Anhaltspunkt über die Geruchs-Komponente. Die Nase funktioniert im Internet nicht. Wenn sich zwei Leute physisch treffen und aneinander schnuppern können, dann wird der Test fast überflüssig. Im Online-Dating ist dies aber sicher ein spannendes zusätzliches Kriterium .