Der HSV wartet seit dem Pokalsieg 1987, dem Abschiedsjahr des großen Ernst Happel, auf einen Titel. "In jeder Ecke der Stadt", sagte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann (eine Gegend ums Millerntor ausklammernd), "spürt man die Spannung und den Wunsch nach einer Trophäe." Die Stimmung im Stadion ist seit Monaten phänomenal. Und dann kommen diese Bremer.

Diese Bremer leisteten sich zwischendrin eine miserable Saison, gaben den Hamburgern den Glauben, sie nach zweieinhalb Jahrzehnten endlich wieder überholt zu haben – und könnten am Ende die Titelwertung 2009 doch für sich entscheiden. Vielleicht sogar mit 2:0.

Zwar hält der HSV nach der Niederlage im Elfmeterschießen gegen Bremen im DFB-Pokal-Halbfinale noch zwei weitere Optionen in der Hand, den Uefa-Pokal und die Meisterschaft. Doch fürchten die Hamburger, die Kraft könnte sie in den entscheidenden Momenten dieser Saison, die bislang so glanzvoll verlaufen ist, verlassen.

Es könnte dem HSV zum Verhängnis werden, dass er mit einem kleinen Kader in allen drei Wettbewerben mitmischt. Die Mannschaft erreichte oft ihre Leistungsgrenze. Siege fielen immer knapp aus, und wenn die Mannschaft einmal souverän führte, wie beim 2:0 gegen Hannover am vorigen Sonntag, verhängte der Schiedsrichter einen fragwürdigen Elfmeter für den Gegner und zwang die Spieler, bis zum Schlusspfiff zu rennen und zu kämpfen. Die 120 intensiven Minuten gegen Bremen verbrauchten zusätzlich Reserven.

Nach dem Spiel hinterließen nicht nur die Spieler, sondern auch Bernd Hoffmann einen angeschlagenen Eindruck. Er gab zu, dass er sehr enttäuscht sei: "Meine Gefühle sind nach dieser Niederlage nicht schönzureden." Martin Jol gestand, in der ersten Halbzeit im Mittelfeld deutlich unterlegen gewesen zu sein, und gratulierte dem verdienten Sieger aus Bremen. Seine Taktik, alle drei Spitzen aufzubieten, ging nicht auf.

Sein Team zählte vor der Pause keinen einzigen nennenswerten Angriff. Der Nationalspieler Marcell Jansen schlug einen Fehlpass nach dem anderen, als wollte er dem Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann nachträglich Recht geben, der ihn gen Hamburg ziehen ließ. Es ist erstaunlich, dass der HSV auf ein solch schwaches spielerisches Niveau sinken kann.