Eigentlich ist mein iPhone wunderbar. Wenn ich unterwegs bin und mein Zug nähert sich Regensburg mit erheblicher Verspätung, kann ich mit wenigen Fingerschnipsern nachsehen, wann von dort der nächste erreichbare Zug nach Landshut fährt und wie weit vom Bahnhof mein Hotel entfernt ist. Ich kann googeln, welche Nummer der Landshuter Taxiruf hat, kann gleich ein Taxi bestellen. Und ich könnte die ältere Dame, die mir gegenüber sitzt und mich meines Telefonats wegen beschimpft, mit der eingebauten Kamera unauffällig fotografieren, könnte ihr Foto per E-Mail an meinen Kumpan in Regensburg schicken, wo er es vielfach vergrößert ausdrucken, mit dem Schriftzug "Was haben Sie gegen ein Telefonat im Zug?" versehen und auf die Litfasssäule vor dem Bahnhofsausgang kleben könnte. Was ich natürlich nicht tue; ich habe keinen Kumpan in Regenburg.

Doch so wunderbar mein iPhone auch ist, ich kann nicht behaupten, dass ich es beherrsche. Im Gegenteil, es beherrscht mich.  

Nein, ich meine nicht so sehr diesen Drang, überall Mails zu checken oder Termine zu vereinbaren. Einen Drang, der sich mittlerweile derart ausgeweitet hat, dass ich schon beim Gehen damit anfange, zumindest, wenn ich längere Strecken ab etwa fünfzig Metern zurücklege. Ja, ein, zwei Male zückte ich mein iPhone auch schon mitten in einem abflauenden Face-to-Face-Gespräch, checkte schnell die Mails und beendete erst dann meinen Satz.

Nein, was ich wirklich meine, begann vor etwa einem Monat. Eines morgens fiel mir auf, dass das Gerät, das ich am Abend vorher ausgeschaltet hatte, morgens eingeschaltet war. Anfangs maß ich dem keine Bedeutung bei, aber genau dasselbe wiederholte sich noch einige merkwürdige Male. "Kann es nicht sein", fragte meine Liebste, "dass sich ein iPhone automatisch einschaltet, wenn man es zum Aufladen in die Steckdose steckt?"

"Vielleicht ist das eine Erklärung", sagte ich.

In dieser Nacht schlief ich besser.

Aber um 3.45 Uhr wurden wir von furchtbarem Lärm im Wohnzimmer geweckt. Eine Taschenlampe in der einen, einen massiven Kleiderbügel in der anderen Hand taumelte ich zu allem entschlossen nach oben. Der Lärm kam aus dem iPhone.

"Du hast irgendeinen Wecker gestellt", sagte meine Liebste vorwurfsvoll.

"Nein, habe ich nicht!", rief ich.

"Glaubst Du etwa, dieses Telefon schaltet von alleine irgendeinen Wecker ein?", fragte meine Liebste. "Weil es gerade Lust hat, uns zu ärgern?"