Jan Kahlcke (taz) wertet das Ausscheiden des HSV gegen Bremen als Signal gegen den Trend: "Der HSV hat mächtig aufgeholt: Wirtschaftlich sind die Hamburger dem Dauerrivalen längst überlegen, zuletzt hängten sie die Bremer sogar in deren Paradedisziplin Transfererlöse ab. Mancher träumte in Hamburg davon, in den vier Aufeinandertreffen in drei Wettbewerben nun auch die sportliche Wachablösung zu vollziehen. Das haben die Bremer – zumindest im ersten Anlauf – abgewendet."

Jan C. Müller (FR) führt die Niederlage auf Kraftverlust zurück: "Am Ende war es nicht nur Glück und das Können von Tim Wiese, das dem Hamburger SV den ersten von drei Träumen zerstörte. Am Ende fehlten einer Mannschaft, die auf dem abgefahrenen Ersatzreifen rollt, auch die Spieler, die der Trainer fürs Elfmeterschießen gerne ran gelassen hätte." Den starken Bremern hingegen schreibt er ins Stammbuch: "Sie müssen sich nach diesem Spiel mehr denn je fragen lassen, wie sie mit diesem Qualitätsteam und nahezu frei von Verletzungssorgen eine derart miese Bundesligasaison hinlegen konnten."

Erste Kratzer bekommt HSV-Coach Martin Jol ab, die SZ wirft ihm "verfehlte taktische Ausrichtung" vor, durch seinen vorläufigen Verzicht auf Jonathan Pitroipa und Piotr Trochowski zu Gunsten von drei Spitzen und drei defensiven Mittelfeldspielern habe sich "ein riesiges Loch zwischen Abwehr und Angriff [aufgetan], so ausgedehnt wie die Elbe an ihrer breitesten Stelle".

Klinsmann wie Lothar

Jürgen Klinsmann ist mit seiner Unterlassungserklärung gegen die taz vor Gericht gescheitert, die ihn ans Kreuz montierte. Stefan Osterhaus (Financial Times Deutschland) billigt das Urteil – und fährt eine viel härtere Attacke: "Als Gegner einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die sowohl das Recht auf freie Ausübung der Religion, auf freie Meinungsäußerung und auch auf Satire garantiert, ist Jürgen Klinsmann bislang noch nicht aufgefallen. Auch jetzt verbrennt er keine Zeitungen, sondern wählt den legalen Weg vor ein Gericht. taz-Chefredakteurin Bascha Mika aber stellt fest, man habe Klinsmanns Humor überschätzt. Sicher kann man über den Titel streiten, ihm Qualität attestieren oder absprechen. Aber das einzige Problem der riesigen Aufmachung am Osterwochenende dürfte jenes sein, dass Klinsmann gewissermaßen im Handstreich zu einer wichtigen öffentlichen Person vom Schlage eines Lothar Matthäus aufgeblasen wurde."

Feigenblatt des Weltsports

Spanien will eine Art Ladenschluss für Dopingkontrollen einführen: Von 23 bis 8 Uhr sollen Sportler nun unbehelligt bleiben. Thomas Kistner (SZ) kritisiert diese Entscheidung und unterstreicht die Zahnlosigkeit der Welt-Anti-Doping-Agentur: "Der Vorgang belegt erneut den rasanten Autoritätsverfall der Wada. So wie der aktuelle Streit um eine Lex Fußball. So nimmt die Wada, zehn Jahre nach der Gründung, die Rolle an, in der sie der Sport am liebsten sieht: Die des globalen Feigenblatts, hinter dem sich der Systemzwang Doping verstecken und als Einzelfallphänomen verniedlichen lässt."

Interessante Stimmen aus dem Sport hat die SZ zu der Entscheidung der Fifa gesammelt, aus dem Meldesystem der Wada auszusteigen. Der Nada-Vorsitzende Armin Baumert kritisiert den Fußballverband, der den Datenschutz und andere Rechte ins Feld führt: "Wenn Türchen geöffnet werden sollen durch Begriffe wie Privatsphäre, Urlaub oder Regeneration, dann ist dieser Antidopingkampf nicht mehr glaubwürdig." Überlegungen aus dem deutschen Handball und dem deutschen Basketball werden laut, es dem Fußball gleichzutun. Athleten und Offizielle aus Einzelsportarten hingegen fühlen sich ungerecht behandelt. Etwa der Rad-Funktionär Rolf Aldag, der sich für besonders glaubwürdig hält: "Wann macht denn eine Kontrolle überhaupt noch Sinn? Als geständiger Dopingsünder kann ich das ganz gut beurteilen."