Als sich die Teilnehmer der ersten Regionalentscheidung im Hamburger Hotel Park Hyatt zum Vorkochen trafen, war die Spannung groß. Nicht nur bei den vier Hobbyköchen und ihren Gehilfen, sondern auch bei mir: Wie würde sich die Begeisterung der Wettbewerber für die österreichische Küche in der Praxis auswirken? Denn ein Wiener Schnitzel als Teil der k. u. k. Küche ausgeben, das kann jeder Wirt. In Berlin wird es täglich hundertfach praktiziert, ohne dass unsere Metropole dadurch etwas vom austriakischen Charme angenommen hätte.

Würde die Kombination von "gesottenem Kronfleisch und geschmorten Kalbsherzen" des Henrik Himpe aus Münster dem Opernball gerecht werden? Würde Chris Kurbjuhn aus Berlin das Versprechen einlösen können, das er mit gleich drei Gängen der pannonischen Küche zur Beurteilung einreichte? Und was ist mit der jungen Michaela Beck aus Bückeburg, die bei den Nachspeisen voll in die Köstlichkeiten der österreichischen Konditoren einstieg und nicht vor Mozartkugeln zurückzuschrecken versprach, vorsichtshalber jedoch ein Backhendl ins Zentrum ihres Menüs setzte?

Schließlich bewarb sich noch Torsten Staller aus Kiel beim Wettbewerb der Hobbyköche. Er will als ersten Gang Seeohren mit gedünstetem Rettich auf Kartoffelnest ins Rennen schicken. Er möchte mir nämlich die – auch Abalone genannten – Meeresschnecken vorstellen, die er, von Beruf Meeresbiologe, zu Hause in einer kleinen Anlage züchtet. Da Österreich nicht am Meer liegt, schlägt er Tiroler Schlutzkrapfen als Hauptgang vor, die auch ein Bergsteiger aus Kiel nicht für Meeresschnecken halten würde.

Mit diesem Angebot im Kopf inspizierte ich die Küche des eleganten Hotels und genoss zuerst einmal den vertrauten, immer wieder animierenden Anblick von erstaunlich gelassen werkelnden Hobbyköchen.

Als dann die Resultate der dreistündigen Kocherei präsentiert wurden, gab es mehrere Überraschungen. Da war einmal das Kronfleisch des Herrn Himpe. Er hatte das Zwerchfell vom Kalb kurz gekocht, anstatt es langsam zu sieden, sodass es den Zähnen zähen Widerstand leistete. Das taten übrigens auch die Seeohren des Herrn Staller, der ihnen zudem kein interessantes Aroma beibringen konnte, was die Jury echt bedauerte, da für dieses Gericht mehr als die halbe Zucht des Meeresbiologen hatte dran glauben müssen.