Im abgedunkelten Hörsaal 110 an der TU Berlin fordert Joao Moraes, Gewerkschaftler aus Brasilien, gerade die soziale Kontrolle über die Ölgesellschaften. Gleich nebenan, in Raum 107, diskutieren Vertreter der Kirchen und des Bauernverbands Wege aus der Nahrungskrise. Und draußen auf dem Bürgersteig sitzt eine junge Frau in der Sonne und klagt über die "überkommenen Dinosaurierer-Strukturen in der Wirtschaft".

Es ist McPlanet-Time. Unter dem Motto "Game over – Neustart" haben Attac, Greenpeace, der Bund für Umwelt und Naturschutz, der Evangelische Entwicklungsdienst und die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung eingeladen. Rund 1700 Teilnehmer erwarten die Organisatoren dieses Wochenende in Berlin.

Über den Titel mag man streiten – schließlich ist die Wirtschaftskrise für manchen Betroffenen viel mehr als nur ein Spiel – der Kongress ist für Umwelt- und Klimaschützer, Globalisierungskritiker, Linke und Kirchenvertreter ein Pflichttermin. Er findet bereits zum vierten Mal statt. Viele der Teilnehmer nutzen die Chance, um sich mit Mitstreitern aus dem Ausland auszutauschen.

Und natürlich geht es auch um Selbstbestätigung. "Hier kann man auftanken und Leute mit gleichen Ideen kennenlernen", schwärmt Ewald Kleybold, Lehrer und Attac-Aktivist aus dem Chiemgau. "Früher hielt man mich für einen totalen Spinner - heute, in Zeiten der Wirtschaftskrise, fühle ich mich bestätigt, dass das System so nicht funktioniert."

Das Publikum liebt die unkonventionelle, improvisierte Organisationen des Kongress. Ohne zu maulen, übernachten Teilnehmer in der Turnhalle, gegessen wird mittags in der Vokü, der mobilen Volksküche, die biologisch und mit Fairtrade-Lebensmitteln kocht. Es gibt veganen Birnenkuchen und Bionade. Holunderblüten in Plastikbechern versuchen, dem schäbigen Universitätsgebäude mit dem Charme einer Tiefgarage etwas Glanz zu verleihen.