Die in Mexiko und den USA ausgebrochene Schweinegrippe könnte nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine weltweite Epidemie auslösen. Ob es jedoch wirklich dazu kommen werde, sei noch zu früh zu sagen, erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Samstag in Genf. "Die Schweinegrippe hat pandemisches Potenzial, weil sie Menschen infiziert", fügte Chan hinzu. Der Ausbruch stelle eine ernsthafte Situation dar.

Die Krankheit, die von Experten bislang nur ungenügend verstanden werde, verbreite sich schnell. Bislang gebe es aber keine Hinweise darauf, dass die Grippe auch in anderen Teilen der Welt ausgebrochen sei. Die WHO sei über die Risiken und die mögliche Ausbreitung der Seuche über die bereits betroffenen Gebiete hinaus noch nicht komplett im Bilde, fügte Chan hinzu. Es sei deshalb auch noch zu früh, Pharmakonzerne zur Produktion eines neuen Impfstoffs zu raten.

Auch das Robert Koch-Institut in Berlin warnte vor einer möglichen Ausbreitung in andere Länder. "Die Fälle, die wir in Mexiko und den USA haben, zeigen, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist", sagte Sprecherin Susanne Glasmacher. "Wir sind im Gespräch mit den Bundesländern, um Empfehlungen für Flughäfen zu geben." Weil es sich um ein neues Virus handele, könne es noch keinen Impfstoff gegen die Schweinegrippe geben.

Die von dem bislang unbekannten Virus verursachte Schweinegrippe grassiert derzeit in Mexiko und im Süden der USA. Nach Angaben der WHO starben in Mexiko bis zu 68 Menschen an der Seuche. Davon ist in 18 Fällen die spezielle Virusvariante bereits als Schweinegrippe A/H1N1 identifiziert worden. Bei 42 weiteren Grippetoten sei das neue Virus noch nicht nachgewiesen, hieß es. Der US-Seuchenbehörde zufolge handelt es sich um eine neuartige Mischung aus Viren, die typisch für Schweine, Vögel und Menschen sind. In Mexiko gibt es 1004 Verdachtsfälle.

Bei dem Virus A/H1N1, der vom Schwein übertragen wird, handelt es sich um eine Mutation des H1N1-Virus. Die Virusvariante von A/H1N1 war laut WHO bisher nicht in Schweinen oder beim Menschen identifiziert worden. Studien zufolge tragen allerdings bis zu 50 Prozent aller Schweine in Herden in den USA den Erreger in sich. Bei vielen der infizierten Menschen in den USA steht aber schon jetzt fest, dass sie keinen Kontakt mit Schweinen hatten. Somit bleibt es für die Fachleute vorerst ein Rätsel, wie sie sich angesteckt haben. Nach Angaben der US-Seuchenbehörde seien die Hintergründe des Virus noch weitgehend unklar.

Die WHO spricht davon, dass die Ausbreitung der Grippe vor allem auf junge, sonst gesunde Erwachsene, Sorgen bereite. Die Genfer Organisation steht in ständigem Kontakt mit den Behörden in Mexiko und den USA sowie anderen Ländern der Region. Das für Notfälle zuständige Strategische Gesundheitsoperationszentrum (Strategic Health Operations Centre) der Organisation sei im Einsatz, sagte Chaib. Der Direktor des kalifornischen Zentrums für ansteckende Krankheiten, Gil Chavez, betonte, dass die hohe Zahl der Krankheitsfälle äußerst ungewöhnlich sei. "Das ist weitgehend ein Rätsel", sagte er. Mit weiteren Fällen müsse gerechnet werden.