Die Straßen in der Region Vanni sind voller Menschen, die fliehen. Die Soldaten und Kämpfer der "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) liefern sich anhaltende Feuergefechte. Tausende Flüchtlinge kommen aus dem umkämpften Norden hierher. Viele sind verletzt und traumatisiert, Familien wurden auseinandergerissen, Eltern suchen ihre Kinder, Jungen und Mädchen ihre Geschwister. Die Kämpfe in den letzten Tagen haben hunderte Menschen das leben gekostet, viele wurden verletzt. Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und Caritas versuchen den Menschen zu helfen und geraten dabei selbst in Gefahr.

Der Direktor der Caritas in Vanni, Pfarrer T.R. Vasanthaseelan, wurde bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen schwer verletzt. Er hielt sich mit Flüchtlingen in der Kirche St. Anthony’s auf, die direkt im Kriegsgebiet auf der Halbinsel liegt. Während der heftigen Gefechte versorgten Caritas-Mitarbeiter die Flüchtlinge. "Die Regierung und die Rebellen haben die Pflicht, Zivilisten zu schützen und einen humanitären Korridor zu gewähren", fordert Oliver Müller, der Leiter von Caritas international.

Die Armee rückt auch am heutigen Freitag weiter gegen die Rebellen vor. Militärsprecher sagten, dass die tamilischen Rebellen auf einem kleinen Streifen an der Küste eingeschlossen sind. Eine Kapitulation schloss die LTTE aus. Beobachter berichten, dass beide Seiten keine Rücksicht auf Flüchtlinge und Helfer nehmen.

"Die Situation ist schwierig für unsere Mitarbeiter", sagt Christine Winje von Ärzte ohne Grenzen. Die Mediziner und Pfleger der Organisation behandeln und operieren Verwundete im Vavuniya Hospital im Norden Sri Lankas. In den vergangenen drei Tagen stieg die Zahl der Patienten drastisch an. 450 Betten gibt es in der Klinik, mehr als 1700 Patienten werden zurzeit versorgt. Patienten werden auf dem Boden, in den Fluren und notfalls draußen außerhalb des Krankenhauses untergebracht.

"Dreiviertel der Patienten sind von Granaten oder Bomben verletzt, andere wurden angeschossen oder bei Minenexplosionen verwundet", sagt Paul McMaster. Der Chirurg von Ärzte ohne Grenzen und seine Kollegen arbeiten im Akkord. Viele Menschen sind so schwer verletzt, dass ihnen nur noch mit Amputationen geholfen werden kann. "Busse bringen die Verletzten zu uns und viele sterben schon während des Transports", sagt McMaster.

Zahlreiche Flüchtlinge haben schwere Verletzungen an den Beinen, weil sie auf Minen getreten sind. "Wir haben ganze Familien, die bei einer Explosion verletzt wurde", sagt McMaster. "Wir mussten einem kleinen Jungen ein Bein amputieren. Er wurde bei einer Explosion schwer verletzt. Ich schätze, er ist fünf Jahre alt", berichtet der Arzt McMaster. Der Junge wurde von seinem sieben Jahre alten Bruder begleitet, der auf ihn aufpasst. Wo die Eltern sind, weiß er nicht.

Die Flüchtlinge aus dem Norden und dem Osten erreichen die Auffanglager der Hilfsorganisationen meist ohne jeglichen Besitz. Sie konnten auf ihrem gefährlichen Weg nichts mitnehmen. Das Welternährungsprogramm, das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen, Caritas, Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen versorgen die Menschen in Notunterkünften, Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten. "Schon jetzt ist die Situation in den völlig überfüllten Notunterkünften katastrophal", klagt ein Mitarbeiter der Diakonie. Der Außenminister Sri Lankas räumte am Freitag ein, dass sein Land mit dem Flüchtlingsstrom völlig überfordert sei.