Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen sprachen sich  rund 67 Prozent der Wähler für den Vorsitzenden des Afrikanischen National-Kongress (ANC) aus. Trotz aller Skandale wegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Korruption und Betrug. Die Demokratische Allianz (DA) der deutschstämmigen Kapstädter Bürgermeisterin Helen Zille kam nach diesen Teilergebnissen auf 15,7 Prozent der Stimmen und ist damit stärkste Oppositionspartei.

Es war eine "Identitäts-Wahl", sagte der Politologe Steven Friedman – eine eher auf Personen als auf Inhalte zugeschnittene Abstimmung. Da war Zuma als Mann aus bescheidenen Verhältnissen für die große Zahl der Armen ganz klar "einer von uns". Ein Mann der Massen, der es verstanden habe, die Sprache der einfachen Leute zu sprechen.

Bereits vor dem Verkünden des offiziellen Wahlergebnisses strömten Tausende ANC-Anhänger zum Sitz der Partei in Johannesburg. Zuma gab sich siegesgewiss: "Diese Partei ist ein Elefant. Man kann einen Elefanten nicht umstürzen."

Als Identifizierungs-Person verkörpert Zuma, der in seiner Jugend Ziegen hütete, den Glauben an ein besseres Leben. Selbst die vielen Justizprobleme sprachen für ihn: Zuma – als Anti-Apartheids-Kämpfer früher lange Zeit inhaftiert und später als Strippenzieher im Untergrund aktiv – präsentierte sich erfolgreich als Opfer einer politischen Verschwörung, hinter der sein alter Weggefährte und Rivale, Ex-Präsident Thabo Mbeki, steckten sollte.

Das höchste Amt im Staate ist nun in greifbarer Nähe für den Politiker, der aus seiner Verbundenheit zu den traditionsreichen Wurzeln seines Zulu-Volkes kein Geheimnis macht. Zuma zelebriert, was andere Politiker schamhaft zu verbergen suchen: Seine Vielehe, seine zahlreichen Kinder mit mehreren Frauen, seine ländliche Herkunft, selbst seine – politisch bedingte – lückenhafte Schulbildung. Ein wahrer Personenkult rankt sich um den Skandal-Politiker, der seine Popularität auch durch alte Anti-Apartheid-Hits wie Umshini Wami (Hol' mir mein MG) absichert.

"Msholozi" – so sein Clan-Name – hat als einer der populärsten und umstrittensten Politiker des Landes Krisen und Skandale überstanden, die andere längst die Karriere gekostet hätten. Unvergessen etwa seine Äußerung in einem gegen ihn geführten Vergewaltigungsprozess, er habe sich durch ausgiebiges Duschen nach dem Sex gegen die Ansteckung mit dem Aids-Erreger geschützt.