Ziel seien Friede, Sicherheit und Stabilität in der gesamten Region, teilte das türkische Außenministerium am Donnerstag in Ankara mit. Die Übereinkunft kam unter Vermittlung der Schweiz zustande. Unklar blieb, wann es zu der Öffnung der Grenze zwischen beiden Staaten kommen soll.

Es ist das erste Mal, dass die früheren Erzfeinde aufeinander zugehen, seit die Türkei vor 16 Jahren ihre Grenze zu Armenien schloss. Die Türkei reagierte 1993 damit auf den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach. Vor allem aber sind beide Staaten über die Deutung der Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs zerstritten. Die Armenier gedenken am morgigen Freitag der Opfer der Massentötungen aus dem Jahr 1915.

Dieses Thema ist zwischen beiden Ländern noch immer hochsensibel. Während Armenien und zahlreiche westeuropäische Länder von einem Völkermord sprechen, weist die Türkei dies zurück. Noch am Mittwoch hatte die Regierung in Ankara ihren Botschafter in Kanada nach Hause bestellt, weil Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper auf einer Gedenkveranstaltung von einem Genozid an den Armeniern sprach.

Einzelheiten zur Lösung dieses tiefsitzenden Konflikts oder zu einer angepeilten Öffnung der Grenzen wurden in der Erklärung vom Donnerstag nicht genannt. Die Zeit dafür sei noch nicht reif, sagte ein Sprecher aus dem Außenministerium in Ankara. "Wir werden unsere Politik der leisen Diplomatie fortsetzen." Die Schweizer Regierung teilte mit, dass beiden Parteien bei den Verhandlungen gegenseitiges Verständnis wecken konnten. Das Abkommen biete die Basis für eine positive Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Die USA begrüßten den Entspannungskurs und drängten zur Eile. Die Staaten sollten ihre Beziehungen "innerhalb eines vernünftigen Zeitraums" normalisieren, forderte das Außenministerium in Washington.

Als erster Staatschef der Türkei hatte Präsident Abdullah Gül im September vergangenen Jahres Armenien besucht und eine Zusammenarbeit angeboten. Sein armenischer Amtskollege Sersch Sarkissjan hatte ihn zum Qualifikationsspiel beider Länder zur Fußball-WM 2010 eingeladen.