VW-Chef Martin Winterkorn hielt sich bedeckt. Inmitten neuer Spekulationen um die weitere Zusammenarbeit mit Porsche hat er lediglich die Allianz mit dem Stuttgarter Sportwagenhersteller bekräftigt. "Gemeinsam haben wir das Zeug, das Kraftzentrum der internationalen Automobilindustrie zu bilden", sagte er auf der Volkswagen-Hauptversammlung in Hamburg. Die Kooperation folge einer klaren wirtschaftlichen Logik.

Als Beispiele für das Potenzial der Allianz mit Porsche nannte Winterkorn die gemeinsame Entwicklung der Geländewagen VW Touareg, Porsche Cayenne und Audi Q7 sowie den Bau der Luxuslimousine Panamera von Porsche und die Entwicklung von Hybrid-Antrieben.

Die Financial Times Deutschland hatte berichtet, dass VW in der Allianz mit Porsche jetzt die Vorherrschaft anstrebe. Nachdem Porsche wegen der steigenden Zinsen zunehmend Probleme bei der Finanzierung der Übernahme habe, erwäge Volkswagen jetzt, Porsche zu kaufen, schreibt das Blatt. Porsche hatte Anfang des Jahres die Mehrheit von knapp mehr als 50 Prozent von Volkswagen übernommen und will diesen Anteil auf 75 Prozent steigern.

Gestern hatte das Manager Magazin berichtet, dass Porsche bei der Kapitalbeschaffung in Schwierigkeiten geraten sei und deshalb eine Kapitalerhöhung plane und nach einem Großinvestor suche. Weder Porsche noch VW wollten das kommentieren. Vor diesem Hintergrund wird jedoch weiter spekuliert, VW könne das Automobilgeschäft von Porsche übernehmen, um dann unter Wolfsburger Führung einen Autokonzern zu schmieden, der neben Scania auch MAN kontrolliert. Wie die Financial Times Deutschland schreibt, soll angeblich Niedersachsen diese Pläne unterstützen. Das Land ist mit gut 20 Prozent zweitgrößter VW-Aktionär nach der Porsche SE und hat dank des VW-Gesetzes eine Sperrminorität bei wichtigen Entscheidungen.

Wie die Frankfurter Allgemeine  Zeitung berichtet, soll Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zunehmend an Rückhalt bei den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch verlieren. Sie hätten Angst, dass sich Porsche mit der Übernahme des 15 Mal größeren  Volkswagen-Konzerns übernehmen könnte. Gegen die Gerüchte über den Abtritt Wiedekings spricht, dass der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff am Rande der Hauptversammlung dem in Bedrängnis geratenen Manager den Rücken stärkte. "Ich sehe ihn weiter an Bord", sagt Wulff über den Porsche-Chef. In der Krise könne man auf keine wichtige Person verzichten.

Winterkorn betonte in seiner Rede vor den Aktionären, gerade in der aktuellen Krise müsse VW noch wettbewerbsfähiger werden. Im Jahr 2009 rechne man wegen der Finanzkrise mit steigenden Herausforderungen. "2009 wird ein extremes, ein hartes Jahr auch für uns", sagte der VW-Chef. Dabei könne VW aber auf eine Reihe von Instrumenten zurückgreifen, um die Produktion flexibel anzupassen. Das zahle sich jetzt aus. Wichtigstes Ziel sei es, die Stammbelegschaft an Bord zu halten, sagte der Winterkorn. Dabei sei viel Flexibilität von allen Seiten gefordert.

 Auch in der Krise dürfe man nicht vergessen, sich weiterhin um die besten Köpfe zu bemühen, sagte er. Deshalb werde VW an bisherigen Planungen festhalten und in diesem Jahr mehr als 2800 Auszubildende und 2100 Hochschulabsolventen neu einstellen. Klar sei aber auch: "Die aktuelle Lage erfordert harte einschneidende Entscheidungen." Dazu gehöre, dass die Verträge für viele Leiharbeiter nicht verlängert werden könnten. Das sei "schmerzhaft", aber das Instrument Leiharbeit sei ein wichtiger Baustein, um die Produktion anzupassen.

Der Absatz des VW-Konzerns war in den ersten drei Monaten um fast 16 Prozent gesunken. Nur durch den Verkauf des brasilianischen Lkw-Geschäfts konnte das Unternehmen rote Zahlen vermeiden. Umsatz und Ergebnis gingen in der dramatischen weltweiten Branchenkrise im Vergleich zum Vergleichszeitraum kräftig zurück. Unterm Strich stand aber noch ein Gewinn von 243 Millionen Euro. Der Konzerngewinn brach damit um fast 74 Prozent ein. Im Jahr 2008 hatte VW nach Rekordzahlen bei Ergebnis, Umsatz und Absatz unterm Strich noch rund 4,7 Milliarden Euro Gewinn verbucht.

Winterkorn bekräftigte auf dem Aktionärstreffen erneut erneut die langfristigen Ziele für das Jahr 2018. Bis dahin will VW Toyota überholen und größter Autobauer der Welt werden. Aktuell stehe die gesamte Branche vor einer Jahrhundertprüfung. VW sei aber überzeugt, die Krise besser als die Konkurrenz überbestehen und Marktanteile hinzugewinnen zu können. "Ich bin mir sehr sicher: Der Volkswagen-Konzern wird zu den Gewinnern gehören", sagte Winterkorn.