Als die Staatssekretäre des Inneren sich Anfang April in Berlin trafen, um über das Waffenrecht zu diskutieren, herrschte noch Aufbruchsstimmung. "Dass etwas geschehen muss, daran gibt es keinen Zweifel", sagte der Vertreter des Bundes, August Hanning, damals ZEIT ONLINE. Der Amoklauf von Winnenden hatte die Politik, wenn auch mit Verzögerung, aufgeschreckt.

Seither wird auf Arbeitsebene über konkrete Maßnahmen verhandelt. Doch je länger sich die Praktiker von Bund und Ländern mit dem Thema befassen, desto deutlicher wird, dass zumindest zwei Vorschlägen, um die in Deutschland seit Jahren gerungen wird, auch diesmal wohl wieder keine Chance auf Umsetzung haben werden.

Eine Mehrheit der Länder lehnt es nach Informationen von ZEIT ONLINE ab, künftig vorzuschreiben, wie viele Waffen ein Sportschütze höchstens besitzen dürfen soll. Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), derzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz, hatte  Ende März in einem insgesamt acht Punkte umfassenden Positionspapier zum Waffenrecht eine Begrenzung auf fünf vorgeschlagen.

Auch ein ebenfalls von Mäurer anvisiertes Verbot großkalibriger Waffen für den Schießsport wird es wohl nicht geben. "Schusswaffen, die bei Polizei und Militär eingesetzt werden, sollten im Schießsport nichts zu suchen haben", heißt es in dem Bremer Papier. Doch die Mehrheit der Länder sieht dies offenbar anders.

Verwunderlich wäre ein Scheitern an diesen zwei Punkten nicht. Schon nach dem Amoklauf von Erfurt konnte sich der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein nicht einmal mit dem Vorstoß durchsetzen, die Altersgrenze für den Erwerb großkalibriger Schusswaffen auf 25 Jahre anzuheben.

Dabei gibt es zwischen der Diskussion von damals und der von heute eine wichtige Parallele: Beide Amokläufe, der von Erfurt und der von Winnenden, fanden in einem Wahljahr statt. Und Schützen sind nun mal Wähler. Die Zahl der Wahlberechtigten, für die Fragen des Waffenrechts eine Rolle spielen, schätzt etwa die Lobbyorganisation "Forum Waffenrecht" auf fünf bis sechs Millionen. Bei 60 Millionen Wahlberechtigten wären das etwa zehn Prozent, eine Zahl, die von keiner Partei ignoriert werden kann.

Vor allem die Union dürfte wenig geneigt sein, die Schützenvereine ausgerechnet kurz vor der Wahl gegen sich aufzubringen. Für sie geht es hier schließlich um ihre konservative Kernklientel, mit der sie es sich in den vergangenen Monaten nach eigener Wahrnehmung schon zu häufig verdorben hat. Nach Papst-Kritik und Vertriebenen-Streit kann man sich an dieser Front keine weitere offene Flanke leisten.