Den Nutzen des Angebots schränkt dies nicht ein, im Gegenteil. Was auch Alexander Richter bestätigt, Geschäftsführer des Vereins Netzwerk Recherche. "Wikileaks ist für Journalisten eine extrem spannende Quelle." Seine Organisation hat daher einen Vertreter von Wikileaks zur Jahrestagung des Netzwerks nach Hamburg eingeladen. "Die Seite entlässt Journalisten natürlich nicht aus ihrer Sorgfaltspflicht", warnt Richter. Wenn Wikileaks vertrauliche Dokumente veröffentliche, müssten Journalisten die Richtigkeit natürlich durch eigene Recherchen bestätigen.

Kritischer sieht Guido Strack, Vorsitzender des deutschen Whistleblower-Netzwerks, die Arbeit der Internetaktivisten: "Durch die unmittelbare Eins-zu-Eins-Veröffentlichung besteht nur ein geringer Schutz vor Missbrauch durch bösgläubige Denunzianten." Wer in den Besitz brisanter Akten komme, solle sich besser an vertrauenswürdige Journalisten oder staatliche Stellen wenden. Denn ohne Bewertung ähnele die Veröffentlichung eher einer Lynchjustiz als einem klärenden Verfahren.

Die Kritik weißt Schmitt zurück: "Wir haben noch nie ein falsches Dokument als echt ausgewiesen". Doch ist man offenkundig an der Grenze der Belastbarkeit: So sind nicht nur die Server öfter offline, es fehlen auch dringend benötigte Analysen. Denn kaum jemand kann mit einer 1295 Seiten starken Akte über den belgischen Mörder Marc Dutroux etwas anfangen. So sind Informationen verfügbar, ohne dass von wirklicher Aufklärung zu sprechen wäre.

Um das zu ändern, wollen die Wikileaks-Macher ihre Arbeit professionalisieren und suchen deshalb nach Geldquellen. Derzeit läuft eine Spendenaktion, um zumindest kurzfristig den Betrieb zu gewährleisten. Doch Schmitt will mehr: "Wir würden gerne mehr journalistisch arbeiten." Am liebsten würde er professionelle Rechercheure und Übersetzer bezahlen. Denn derzeit kommt die Seite oft noch allzu amateurhaft daher. So beschuldigte Wikileaks Anfang März staatliche Stellen und die deutsche Domain-Registrierungsstelle Denic, die Domain wikileaks.de gesperrt zu haben. In Wahrheit hatte der Inhaber der Domain, ein unbezahlter Freiwilliger, einen Streit mit seinem Provider. Die wütenden Pressemeldungen korrigierte Wikileaks nur halbherzig.  

Woher das Geld kommen soll, ist noch unklar. "Es steht außer Frage, dass unsere Arbeit sinnvoll ist", sagt Schmitt. Entwicklungshilfeorganisationen arbeiten mit ihm zusammen, Medien nutzen immer wieder die kostenlos veröffentlichten Dokumente. Dass irgendwer für diese Dienstleistung auch bezahlen wird, glaubt Schmitt sicher: "Gegen Ende des Jahres wird sich die Frage erledigt haben."