Der Chef der Deutschen Bank, Joseph Ackermann, polarisiert wie kaum ein anderer Wirtschaftsmanager. Die Arbeitnehmervertreter hat er dabei selten auf seiner Seite. Trotzdem unterstützte die Gewerkschaft ver.di die Verlängerung seines Vertrags, wie nun bekannt wurde. Ver.di-Vizechef Gerd Herzberg habe in der Sitzung des Aufsichtsrats am Dienstag für Ackermann gestimmt, meldet die Nachrichtenagentur dpa.

Wie die Financial Times Deutschland berichtet, ging der Entscheidung ein Machtkampf voraus. Demnach habe Aufsichtsratschef Clemens Börsig selbst die operative Spitze übernehmen wollen. Dagegen habe Ackermann sich Bundesbank-Präsident Axel Weber als Nachfolger gewünscht. Schließlich willigte Ackermann ein, selbst noch drei weitere Jahre den Posten zu übernehmen. Er hatte nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung seinen vorzeitigen Rücktritt angeboten, um eine nervenzehrende, monatelange Diskussion in der Öffentlichkeit zu vermeiden.

Ver.di begründete die Zustimmung zu Ackermann damit, dass solche Personalentscheidungen immer unter Abwägung der Alternativen erfolgten. Dies sei aber nicht gleichbedeutend mit einer kritiklosen Zustimmung zu Ackermanns Unternehmenspolitik, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Uwe Foullong. So halte man Ackermanns Renditeziel von 25 Prozent nach wie vor für falsch. Die Bank folge überholten Überzeugungen, die in die Finanz- und Wirtschaftskrise geführt hätten.

Derzeit sollen laut ver.di 11.000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren, davon allein 800 in Deutschland. Ver.di forderte eine moralische Erneuerung der Geschäftspolitik und realistische Gewinnziele. Banken müssten in der Volkswirtschaft eine dienende Funktion haben.

Scharfe Kritik an der Vertragsverlängerung hatte zuvor die SPD geäußert. Vizefraktionschef Joachim Poß sprach von einem "schlimmen Signal". Ackermanns Festhalten an seinem Renditeziel zeige, dass die Branche offenbar nichts dazulernen wolle und könne. Schließlich seien überzogene Gewinnerwartungen einer der Hauptgründe für die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise gewesen.

Dagegen wurde der Deutsche-Bank-Chef nun von der FDP in Schutz genommen. "Poß sollte sich einmal bei ver.di schlau machen über die Qualitäten des amtierenden Chefs der Deutschen Bank und sich anschließend für seine unverschämten Attacken auf Ackermann entschuldigen", sagte der finanzpolitische Sprecher der FDP, Hermann Otto Solms, ZEIT ONLINE.

Es sei eindeutig im deutschen Interesse, wenn es private Banken gebe, die ohne staatliche Mittel auskommen, Gewinne machen und ihre Beschäftigtenzahlen sogar steigern. "Das Quartalsergebnis der Deutschen Bank zeigt, dass es möglich ist, die Finanzkrise auch ohne Staatsgelder mit einer guten Unternehmensführung durchzustehen", so Solms.