Nicht nur in Zeiten der Wirtschaftskrise wird regelmäßig auf die wirtschaftlichen Erfolge einiger Regime verwiesen, die autokratisch regiert werden. Und das trotz der im statistischen Ländervergleich eindeutig belegten Wohlfahrtsdividende einer Demokratie. Gegenwärtig wird vor allem auf China Bezug genommen, bis in die 1980er Jahre waren es beispielsweise Südkorea und Taiwan, noch ein paar Jahre zuvor galten Mexiko und Brasilien als autoritär regierte Wirtschaftswunderländer.

Und immer wieder kommt es zu der Schlussfolgerung, dass solch ökonomisch attraktive Autokratien zumindest für eine bestimmte Phase im Entwicklungsprozess einen alternativen Pfad in Richtung Prosperität anbieten. Doch was ist es, dass einige wenige Autokratien vergleichsweise stark prosperieren lässt?

Als Erklärungsfaktor wird gerne die kulturelle Karte gezogen. Vor allem ostasiatische Gesellschaften und deren konfuzianische Werte seien besonders für stark marktwirtschaftlich orientierte Autokratien empfänglich. Diese Argumentation enthält jedoch Ungereimtheiten.

Unterstellt man die Wirkung tief greifender kultureller Muster, warum hat dann die Teilung Koreas so rasch fundamentale Entwicklungsunterschiede provoziert? Warum zählen Taiwan und Südkorea trotz ihrer Autokratie-empfänglichen Kultur mittlerweile zu den erfolgreichsten Demokratisierungsprozessen der letzten Jahrzehnte? Schließlich bleibt offen, warum auch Autokratien in anderen Kulturkreisen, etwa Mexiko, über mehrere Dekaden positive Wachstumsraten generierten.

Neben kulturellen Faktoren kommt auch Rohstoffreichtum kaum als zentraler Erklärungsfaktor infrage. Die Diskussion um afrikanische Blutdiamanten oder den Ressourcen-Fluch von Erdölstaaten veranschaulicht, dass es in rohstoffreichen Autokratien starke Anreize für Eliten gibt, das Gewaltmonopol des Staates und den Zugriff auf die Ressourcen besonders repressiv und exklusiv zu gestalten und auch mit Gewalt zu erobern. Auch sind solche Autokratien deswegen nicht attraktiv, weil sie für alle Entwicklungsländer ohne diese Rohstoffe keine Möglichkeit der Nachahmung versprechen.

Mein Argument lautet daher, dass diese vermeintlich attraktiven Autokratien am ehesten aus einer seltenen Kombination von zwei Merkmalen erwachsen können. Erstens sind ökonomisch erfolgreiche autoritäre Regime vergleichsweise stark mit den für wirtschaftliche Entwicklung wichtigen gesellschaftlichen Gruppen verbunden. Doch diese Verbindung führt eben nicht zu einer Vereinnahmung der staatlichen Strukturen. Der Nexus zu strategischen Gruppen der Gesellschaft wird entweder direkt über die staatliche Bürokratie hergestellt, wie etwa in Südkorea geschehen. Oder aber dominante Parteien, die eng mit dem Staat verquickt sind, reichen tief in die Gesellschaft hinein, wie etwa im Mexiko der Vergangenheit oder im China der Gegenwart.

Diese Mischung aus Autonomie bei gleichzeitiger Einbettung des Regimes in gesellschaftliche Strukturen versetzt auch eine autoritäre Regierung in die Lage, flexibler und angepasster auf die Interessenlagen der Bevölkerung zu reagieren.