Google hat seit 2004 sieben Millionen Bücher gescannt, und Autoren und Verlage nicht gefragt. Deswegen haben ihre jeweiligen Interessenverbände Google im September 2005 wegen Urheberrechtsverletzung angeklagt. Drei Jahre später, am 28. Oktober 2008, einigten sich die Streitparteien auf einen Vergleich, der auch für deutsche Autoren und Verleger gelten soll, sofern deren Bücher gescannt wurden.

Betroffene hätten bis zum 5. Mai 2009 Einspruch gegen den Vergleich einlegen können. Doch eine lose Gruppe von Betroffenen hatte um Aufschub gebeten: Der Vergleich sei derart kompliziert, dass sie vier zusätzliche Monate bräuchten, um den Text auszuwerten. Wunschgemäß wurde die Einspruchsfrist bis zum  4. September 2009 verlängert. Die abschließende Anhörung soll nun am 7. Oktober 2009 stattfinden. Dann kann der Vergleich in Kraft treten.

Die Gegner der Einigung wollen die zusätzliche Zeit nutzen, um Widerstand gegen das Abkommen zu mobilisieren – auch in Deutschland, wo sich der Ton zuletzt verschärft hatte: Googles Pläne seien "teuflisch", "verwerflich" und bedeuteten eine Enteignung der Autoren, urteilen Kommentatoren und Vertreter des Buchhandels.

Auch dem US-amerikanische Justizministerium kommt die verlängerte Einspruchsfrist gelegen: Seit Ende April untersuchen Ministeriumsmitarbeiter, ob der Vergleich gegen  Kartellrecht verstößt. Google könne schließlich allein bestimmen, wie viel ein Nutzer zahlen muss, um ein Buch vollständig auf den Seiten der Google Buchsuche lesen zu dürfen, sagt James Grimmelmann, Junior-Professor für Recht an der New York Law School. Das mache Google praktisch zu einem Monopolisten – zumindest im Bezug auf die sogenannten Buchwaisen. Das sind Bücher, die zwar noch urheberrechtlich geschützt sind, deren Rechteinhaber aber nicht mehr aufzufinden sind.

Dass Google Bücher scannt, deren Urheberrechte erloschen sind, stört kaum jemanden. Strittiger ist, was mit Büchern passieren soll, deren Urheberrechte noch bestehen. Ob und wie diese urheberrechtlich geschützten Bücher auf den Seiten der Google Buchsuche vertrieben werden, können prinzipiell die Rechtsinhaber bestimmen.

Der Vergleich erlaubt, dass Google 20 Prozent eines Buchs anzeigen darf, wenn es nicht mehr lieferbar, aber noch urheberrechtlich geschützt ist. Nach fünf Seiten müssen mindestens die nächsten zwei Seiten gesperrt sein. Diese Ausschnitte können weder ausgedruckt noch gespeichert werden. Laut Vergleich sollen die Nutzer Lizenzen erwerben können, um diese Bücher vollständig einsehen zu können. Die Einnahmen aus dem Lizenzverkauf gehen zu ungefähr einem Drittel an Google, den Rest verteilt die Books Right Registry, eine von Google unabhängige Institution, an die Rechtsinhaber.