Wie der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, am Samstag in Berlin sagte, habe ein mit dem H1N1-Virus infizierter Mexiko-Reisender nicht nur wie schon bekannt eine Krankenschwester, sondern auch einen Zimmernachbarn in der Klinik im niederbayerischen Mallersdorf angesteckt. Damit wurden bereits zwei Menschen in Deutschland mit dem Virus infiziert, die selbst nicht im Ursprungsland Mexiko waren.

Die bisher bundesweit nachgewiesenen sechs Fälle, darunter fünf in Bayern und einer in Hamburg, verliefen insgesamt milde, sagte Hacker. "Die Patienten sind auf dem Weg der Besserung." Der Krankheitsverlauf sei bei den sechs Infizierten mit dem einer saisonalen Grippe vergleichbar. Schwere Fälle der neuen Grippe seien bisher nur in Mexiko und den USA aufgetreten. Auch der neu infizierte Patient zeigt nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit inzwischen keine Grippe-Symptome mehr.

Ähnlich wie Hacker beurteilt das US-Seuchenzentrum die Lage. Auch dort wurde die Einschätzung geteilt, dass das Virus sich bisher eher wie ein gewöhnlicher Grippe-Erreger verhalte. Zudem habe es sich bisher genetisch nicht verändert.

Trotz der steigenden Zahl der Erkrankungen warnte Hacker vor "Aktionismus". Es bestehe "kein allgemeines Gefährdungspotenzial, aber das Ansteckungsrisiko darf auch nicht bagatellisiert werden", sagte Hacker. Hygieneregeln im Kontakt mit anderen Personen sollten unbedingt eingehalten werden, um Ansteckungen vorzubeugen. Bei  Influenza-Symptomen sei umgehend ein Arzt aufzusuchen. Das Bundesgesundheitsministerium ordnete am Samstag per Rechtsverordnung an, dass Ärzte Verdachtsfälle und Erkrankungsfälle an das Gesundheitsamt melden müssen.

Am RKI hat sich indes eine Influenza-Expertenkommission gebildet, die sich mit zukünftigen Maßnahmen zur Bekämpfung der neuen Grippe befasst. Sie sucht auch nach möglichen Impfstoffen, die im Falle einer weiteren Ausbreitung in Deutschland zum Einsatz kommen sollen. Die Entwicklung eines solchen Medikaments kann jedoch sechs oder sieben Monate dauern.

Die Zahl der bestätigten Fälle der neuen H1N1-Variante in Europa stieg nach Angaben des Europäischen Seuchenbekämpfungszentrums am Samstag auf 40. Zwei neue Fälle waren am Freitagabend aus Frankreich gemeldet worden, auch Italien, wo das Virus bei einem 50-Jährigen gefunden wurde, ist betroffen. Weltweit haben sich inzwischen mindestens 635 Menschen mit dem Erreger infiziert. 17 Menschen starben.

Die USA sind mit mindestens 141 Fällen und einem Toten das zweite Schwerpunktland nach Mexiko mit 397 Fällen und 16 Toten. Am Samstag waren mit Infizierten in Hongkong und Südkorea auch erste Fälle aus Asien gemeldet worden.