"Ein interessantes Konzept" - so kommentierte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Vorstellung von Fiat zum Einstieg bei Opel. Guttenberg hatte sich mit Fiat-Chef Sergio Marchionne getroffen. Laut dem Minister sollen die drei Endmontagewerke Rüsselsheim, Bochum und Eisenach auch nach einem möglichen Fiat-Deal weiter betrieben werden. Für das Werk in Kaiserslautern sei die Zukunft gemäß dem Fiat-Konzept noch offen. Es könnte von Konsolidierungsmaßnahmen betroffen sein, sagte Guttenberg.

In Kaiserslautern produziert Opel unter anderem Benzin- und Diesel-Motoren sowie weitere Fahrzeugkomponenten. Nach Angaben des Unternehmens arbeiten rund 2500 Menschen in dem 1966 eröffneten Werk. Für die Stadt ist Opel einer der wichtigsten Arbeitgeber.

Mit der Fiat-Garantie für nur drei der vier Standorte würden sich Befürchtungen von Experten bestätigen. Schon im Vorfeld der Verhandlungen war gewarnt worden, beide Hersteller litten unter Überkapazitäten. Da auch die Fahrzeugpalette der Hersteller sehr ähnlich ist, sei ein Abbau von Kapazitäten und Arbeitsplätzen unumgänglich. Nicht zuletzt wegen dieser Befürchtungen trifft Fiat-Chef Marchionne bei Arbeitnehmervertretern und Politikern auf Vorbehalte. In Berlin will er heute noch Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier und Kanzleramtsminister Thomas De Maiziere treffen.

Fiat plane die eine oder andere Werksschließung in Europa, es gebe aber keine "Schließungen in der Breite", sagte Guttenberg. Über sein Gespräch mit Marchionne sagte er weiter, Fiat wolle eine Konstruktion finden, die es erlaube, ohne eigene Schulden bei Opel einzusteigen und die Marke Opel beibehalten. Der "finanzielle Überbrückungsbedarf" würde sich dann aus den Schulden von der Opel-Mutter General Motors (GM) und aus den Pensionsverbindlichkeiten von GM ergeben. Dieser werde nach Schätzungen von Fiat europaweit auf fünf bis sieben Milliarden veranschlagt. Hier könnten staatliche Garantien oder Bürgschaften ins Spiel kommen.

Wie groß der Anteil Deutschlands bei einer solchen Lösung werden könnte, sei noch offen. Auch ob Fiat bereit ist, mit eigenem Geld den neuen Partner zu stützen, ließ Guttenberg offen. Das Konzept von Fiat müsse jetzt auf Herz und Nieren geprüft werden, sagte zu Guttenberg. Es seien zügige Entscheidungen nötig.

Der Bochumer Opel-Betriebsrat fordert ein "schlüssiges Finanzierungskonzept": "Fiat muss beweisen, dass es nicht nur um Staatsmittel geht", sagte der Betriebsrats-Vorsitzende Rainer Einenkel. Er frage sich, wie Fiat nach der Übernahme des US-Autobauers Chrysler den Einstieg bei Opel bezahlen wolle: "Dieses Geld muss real sein. Da warten wir auf eine klare Aussage." Es sei "erstaunlich", dass das Fahrzeugteile-Werk in Kaiserslautern von Konsolidierungsmaßnahmen betroffen sein könnte. "Wir legen Wert darauf, dass alle Werke in Europa erhalten bleiben", betonte er.

Die von Fiat angepeilte europäische Lösung betreffe alle Marken von General Motors in Europa, sagte der Bundeswirtschaftsminister weiter – also auch Saab und die britische Opel-Schwester Vauxhall. Fiat wolle den größten europäischen Autokonzern entwickeln und zusammen mit Chrysler zur Nummer eins der Autohersteller in Europa und Nummer zwei weltweit aufsteigen. Im Zuge der Chrysler-Insolvenz übernimmt Fiat zunächst 20 Prozent des US-Autobauers. Der Anteil soll später bis auf 35 Prozent steigen.