Charles Goodhart, Wirtschaftsprofessor an der London School of Economics, sagte im Gespräch mit der ZEIT: "Es gab immer wieder Fälle, in denen Großkonzerne zerschlagen wurden. Nehmen sie den Telefonriesen AT&T. Vielleicht müssen wir auch einige Banken zerschlagen. In den USA könnte die Citigroup zu den Kandidaten gehören, in der Schweiz möglicherweise die Credit Suisse und die UBS, in Deutschland vielleicht die Deutsche Bank".

Nach Einschätzung von Goodhart sind große Banken eine Gefahr für die Finanzstabilität und müssen im Fall einer Schieflage immer mit Steuergeldern gerettet werden. "Je größer die Bank, desto größer die Risiken für das Finanzsystem. Es ist doch völlig klar, dass der Staat auch diese Großbanken im Krisenfall stützen muss, denn ihr Zusammenbruch würde eine neue Katastrophe auslösen." Dies könne auch den Staat an den Rand des Zusammenbruchs bringen. "Eine der Lehren aus dieser Krise ist doch, dass einige Banken so groß sind, dass der Staat mit ihrer Rettung finanziell überfordert ist – denken Sie an den Fall Island. Ich glaube nicht, dass wir so etwas noch einmal erleben wollen."

Um zu verhindern, dass neue Bankgiganten entstünden, sei ein vollkommen neuer Ansatz bei der Bankenkontrolle nötig. "Bei der Regulierung der Banken muss Größe eine Rolle spielen. Je größer die Bank, desto strenger die Regeln. Es muss einen Anreiz für die Institute geben, nicht so groß zu werden, dass der Staat sie retten muss", sagte Goodhart. Außerdem sollten die Zentralbanken und Finanzaufseher die Banken stärker in die Pflicht nehmen. Wichtig sei es, die Institute "im Boom – wenn die Wirtschaft wächst, die Aktienkurse steigen und viele Kredite vergeben werden – dazu zu zwingen, mehr Kapital zurückzulegen. Das bremst die Expansion", sagte Goodhart.

Charles Goodhart war 20 Jahre im Dienst der Bank von England und lehrte Volkswirtschaft in Cambridge und an der London School of Economics, wo er heute das Forschungsprogramm zur Finanzstabilität leitet. Er gilt als einer der angesehensten Finanzexperten weltweit.

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