In den vergangenen Jahren hatte die Intensität der Auseinandersetzungen abgenommen. Doch am Abend des diesjährigen 1. Mai eskalierte die Gewalt früher und heftiger als in der  Vergangenheit.

Über Stunden attackierten betrunkene Randalierer, vermummte Linksautonome und junge Migranten die Polizei mit Flaschen und Steinen. Bereits am frühen Abend hatten sie zwei Polizeiautos stark beschädigt und Steine und Flaschen auf die Beamten geworfen.

Später stapelten sie Material an mehreren Stellen zu Barrikaden auf und zündeten auf den Straßen Feuer an. Auch Brandsätze flogen auf die Polizisten, Müllcontainer brannten. Die Beamten reagierten mit Pfefferspray und Tränengas.

Die Einsatzkräfte gingen in Gruppen gegen die aggressive Menge vor, um als sogenannter Schwarzer Block formierte Autonome auseinander zutreiben und einzelne Störer zu fassen. Ein Hubschrauber kreiste über der teils alkoholisierten Menge. Mehrere Randalierer hatten blutende Wunden. Ein Sanitäter wurde angegriffen. In einer Straße brannten Barrikaden meterhoch. Die Randalierer demolierten auch Scheiben von Buswartehäuschen, rissen Absperrgitter und eine Ampel um.

Immer wieder stürmten Polizisten in die Menge, um der Lage Herr zu werden. In der Nähe der Krawalle feierten rund 30.000 Menschen friedlich ihr jährlich stattfindendes "Myfest" weiter.

Noch nach Mitternacht flammten die Randale immer wieder auf, es gab weiter Scharmützel und Feuer. Einige Straßen boten ein Bild der Verwüstung. Nicht nur Pflastersteine, auch Platten wurden aus Gehwegen als Wurfgeschosse herausgerissen.

Der Schwarze Block mit rund 400 Störern war laut Augenzeugen größer als in der Vergangenheit. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Randale heftiger gewesen, sagte ein Polizeisprecher, der am Abend von einer "ganzen Reihe von Festnahmen" sprach. Es habe über eine lange Zeit "massive Steinwürfe" gegeben. "Das war anders als in den Vorjahren." Gleich zu Beginn der abendlichen Demo seien zwei Polizeifahrzeuge vor einer Feuerwache angegriffen worden. "Das war extrem."

Auch im Hamburger Schanzenviertel gab es die zweite Nacht in Folge gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Linksautonomen und der Polizei. Die Autonomen bewarfen die Beamten über mehrere Stunden hinweg mit Flaschen und Steinen, auch ein Auto habe gebrannt, sagte ein Sprecher des Lagezentrums. Die Polizei drängte die Randalierer mit Wasserwerfern zurück. Erst gegen 3 Uhr beruhigte sich die Lage in dem Szeneviertel.

Schon kurz nach 2 Uhr hatte sich die Lage in Berlin weitgehend beruhigt. Rund 6000 Polizisten waren dort im Einsatz gewesen. Es gab zahlreiche Verletzte auf beiden Seiten, bei der Polizei zählte man 273 Beamte mit Blessuren. In den Vorjahren gab es in Berlin-Kreuzberg stets Gewaltausbrüche im Dunkeln. Polizisten nahmen mindestens 250 Randalierer vorübergehend fest, allein in Berlin-Kreuzberg mehr als 200, wie es aus Sicherheitskreisen hieß.