ZEIT ONLINE: Herr Lahm , als Fußballer und Trainer weiß ich, wo ich Hilfe im Alltag bekomme. Zwei Jungs aus meiner Mannschaft haben mal bei 40 Grad mein Laminat geklickt, unser Jugendwart die Waschmaschine geholt, in den vierten Stock geschleppt und angeschlossen. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Philipp Lahm: Das kenne ich auch aus meinem Heimatverein. Beim Umzug hilft man sich, die Spieler sind ja oft Freunde. Nach getaner Arbeit gibt’s dann eine Wurstsemmel und ein Spezi, das war’s. Und beim nächsten Mal läuft’s andersrum. Im Profifußball läuft’s aber doch ein bisschen anders.

ZEIT ONLINE: Hat also nicht Luca Toni Ihr Parkett verlegt?

Lahm: Nein, das lag schon. Aber mein Vater ist ein toller Handwerker, er hat mir bei meinem Umzug nach München viel geholfen. Alles, was mit Elektronik zu tun hat, ist sein Gebiet. Er hat alle Lampen angeschraubt, ich hab dabei gestanden und zugeschaut – man kann ja nur lernen. Aber wenn man keine Familie in München hat, springt natürlich der Verein ein, wenn man will.

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ZEIT ONLINE: Inwiefern genau? Wobei hilft er?

Lahm: Eigentlich bei allem. Das fängt bei der Haus- und Wohnungssuche an. Geht weiter über Reisevorbereitungen und Passanträge und hört bei der Autoreparatur nicht auf. Bayern München hat ja überall in der Stadt Kontakte, zudem Sponsoren in allen Kategorien: Elektronikgeräte, Auto, Medien …

ZEIT ONLINE: Das Auto meldet also auch Audi um? Oder haben Sie schon mal einen halben Tag auf der KFZ-Stelle verbracht?

Lahm: Nö.

ZEIT ONLINE: Und im Wartesaal beim Arzt?

Lahm: Auch nicht, wir haben einen Mannschaftsarzt und eine gut sortierte Klubapotheke. Aber es soll kein falscher Eindruck entstehen: Ich versuche erstmal, alles selbst zu machen, das ist meine Einstellung. Aber zugegeben, als neulich die Spülmaschine ihren Geist aufgab, war ich hilflos. Das hat das Management dann gelöst.

ZEIT ONLINE: Und wenn sonst mal was kaputt geht im Haushalt?

Lahm: Für größere Dinge gibt’s beim FC Bayern auch einen Handwerker.

ZEIT ONLINE: Einen fest angestellten Handwerker?

Lahm: Ja, er ist immer auf dem Vereinsgelände. Wenn man sich gut mit ihm stellt, macht er auch Hausbesuche. Ist bei mir aber nicht nötig.

ZEIT ONLINE: Der Verein verhält sich wie eine Mutter.

Lahm: Der FC Bayern ist eine Familie, Uli Hoeneß legt ja bekanntlich großen Wert aufs Familiäre. Er will, dass es seinen Spielern gut geht. Er will ihnen Arbeit abnehmen.

ZEIT ONLINE: Besteht darin nicht auch eine Gefahr?

Lahm: Doch.