Der insolvente traditionsreiche Wäschehersteller Schiesser kann weitermachen. Das teilte der Insolvenzverwalter Volker Grub am Montag in Radolfzell am Bodensee mit. Der entscheidende Punkt des Sanierungskonzepts sei die Trennung von verlustreichen Lizenzgeschäften, die bereits 2008 eingeleitet worden war. Außerdem will der Unterwäscheproduzent den Internethandel ausbauen. Auf einer Gläubigerversammlung am 7. Juli soll entschieden werden, ob die Schweizer Eigentümer weiter im Boot bleiben oder ein Käufer gesucht wird.

Die 1875 gegründete Firma hatte am 9. Februar Insolvenz beantragt. Damals sprach der Insolvenzverwalter von 65 Millionen Euro Bankschulden. Trotz der Finanzprobleme wollte der Vorstand das Unternehmen sanieren und fortführen. Ein Umsatzanstieg um 20 Prozent im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat und acht Prozent mehr Vorbestellungen für die Herbst- und Winterkollektion bestärkten die Führungsspitze bei diesem Vorhaben.

Schiesser mit Sitz in Radolfzell am Bodensee (Kreis Konstanz) stellt Unter- und Nachtwäsche sowie Sportwäsche her. Das Unternehmen hat rund 2300 Mitarbeiter. Schiesser ist heute eine Tochter der Schiesser Group AG mit Sitz im schweizerischen Küsnacht. Die Schiesser AG hat ihrerseits vier Tochtergesellschaften in Deutschland und neun in anderen europäischen Ländern.

Im Jahr 2008 lag der Umsatz bei 130 Millionen Euro. In Radolfzell hat Schiesser rund 600 Beschäftigte in den Bereichen Produktentwicklung und Design sowie Marketing, Vertrieb und Verwaltung. Die Produktion ist bereits vor Jahren nach Fernost und Osteuropa ausgelagert worden.