Etwa 1000 Bewohner eines von ärmeren Menschen bewohnten Viertels in Kairo blockierten die Zufahrt zu Schweinezuchtbetrieben. Zudem machten sie lautstark ihrem Unmut Luft und warfen Steine und Flaschen. Mindestens zwölf Menschen erlitten Verletzungen, es gab 14 Festnahmen. Ägypten hatte im Kampf gegen die als Schweinegrippe bekannte Amerika-Grippe angeordnet, die Tiere zu töten.

Viele ägyptische Bauern sehen nun ihre Existenz bedroht. "Sie haben uns zerstört", sagte die 21-jährige Hanan Ahmed der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Schweine sind unsere Lebensgrundlage." Beim Beschlagnahmen der Schweine seien die Behörden äußerst aggressiv vorgegangen. "Sie haben uns die Tiere weggenommen und uns und die Schweine geschlagen." Für den Verlust ihrer 25 Schweine habe ihre Familie keine Entschädigung bekommen, sagte Ahmed. Anderswo im Lande versuchten Bauern ihre Schweine vor den Behörden ohne Erfolg auf einem Friedhof zu verstecken. Die Tiere wurden entdeckt und vor Ort gekeult.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonte, dass das Schlachten von Schweinen nicht notwendig sei. Das Virus verbreitet sich von Mensch zu Mensch. Die Angst vor der Krankheit bekommen bereits die Händler zu spüren: Die Ausfuhr amerikanischen Schweinefleischs sei seit Beginn der sogenannten Schweinegrippe um etwa zehn Prozent zurückgegangen, teilte die Vereinigung der US-Fleischexporteure mit.

In Ägypten, dem größten arabischen Land der Welt, werden Schweine größtenteils von der christlichen Minderheit gezüchtet. Nach den muslimischen Speisevorschriften gelten Schweine als unrein. Ihr Verzehr ist verboten.

Mexikos Regierung sieht die Epidemie unterdessen auf dem Rückzug. Die H1N1-Influenza habe zwischen dem 23. und 28. April ihren Höhepunkt erreicht, sagte Gesundheitsminister Jose Angel Cordova am Sonntag. "Vom Verlauf her befindet sich die Epidemie in der abklingenden Phase", fügte er hinzu.

Trotzdem könne er keine Entwarnung geben. Bisher seien 22 Menschen in Mexiko an der Krankheit gestorben, drei mehr als bislang mitgeteilt. Die Zahl der Erkrankungen sei auf 568 gestiegen. Mexiko war bislang am schwersten von der neuen Influenza betroffen. Die USA, die bislang den einzigen Todesfall außerhalb Mexikos verzeichnen, zählten unterdessen 244 bestätigte Erkrankungen.

Marcelo Ebrard, Bürgermeister von Mexiko-Stadt, sagte, die Einwohner könnten voraussichtlich am Donnerstag wieder zu einem normalen Alltag zurückkehren. Dabei müssten sie allerdings noch Vorsicht walten lassen. Mexiko hatte als Konsequenz aus der Grippe von Freitag an das öffentliche Leben weitgehend ruhen lassen.

Hoffnungsvoll hatten sich auch US-Behörden geäußert. Das Virus der neuen Krankheit verhalte sich weltweit bislang eher wie das einer gewöhnlichen Grippe, teilte das Zentrum für Seuchenkontrolle mit.