Christian Seifert, 39, ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga. Die DFL organisiert und vermarktet die Bundesliga. Zuvor arbeitete der Marketingfachmann bei MTV und Karstadt-Quelle.

Frage: Herr Seifert, wer wird neuer Trainer bei Bayern München?

Christian Seifert: Sicher ein renommierter Coach. Einen Tipp will ich aber nicht abgeben.

Warum nicht? Sie wurden als Nachfolger von Manager Uli Hoeneß gehandelt.

Seifert: Ich habe meinen Vertrag bei der Deutschen Fußball-Liga gerade verlängert.

Dann stellen wir Ihnen eine Frage, die den deutschen Fußball betrifft: Wann können die Bayern mal wieder die Champions League gewinnen?

Seifert: Das hängt auch davon ab, wie lange dort noch Finanzdoping zulässig ist. Derzeit pumpen sich Klubs unnatürlich mit finanziellen Mitteln auf, die nicht aus dem Kerngeschäft Fußball kommen. Die Uefa muss endlich sicherstellen, dass die Champions League wieder ein sportlicher Wettbewerb wird, in dem nur Klubs spielen, die sich das leisten können. Wenn ich lese, dass Manchester United trotz europäischer Erfolge tiefrote Zahlen schreibt und dass der FC Liverpool fast so viele Verbindlichkeiten hat wie die gesamte Bundesliga, dürfte es sehr schwer sein, diesen Wettbewerb zu gewinnen, wenn man seriös wirtschaftet. Wenn bei einer Ruderregatta ein Achter gegen einen Vierer antritt, steht der Sieger auch vorher fest.

Ein deutscher Verein kann also gar nicht die Champions League gewinnen?

Seifert: Es ist zumindest sehr schwer, denn der Sport wird leider immer mehr zum Beiwerk. Beim Spiel Chelsea gegen Manchester spielen 700 Millionen Euro Schulden gegen 800 Millionen Euro Schulden. Da bin ich doch froh und sogar ein wenig stolz, dass sich kein deutscher Klub an diesem Irrsinn beteiligt.

Aber nicht jeder Fußballfan sieht erst die Geschäftsberichte der Klubs durch, bevor er sich ein Spiel anschaut, oder?

Seifert: Man darf die Fans nicht unterschätzen. Die bekommen mit, dass in Italien die Stadien marode sind und die Gewaltbereitschaft groß ist. Es ist auch bekannt, dass in Spanien manche Vereine vor der Insolvenz stehen. Selbst in England wird mittlerweile kritisiert, wenn dort ein Scheich mit seinem Fußballhobby gegen einen anderen Scheich mit Fußballhobby antritt.

Wie lange können Sie noch verhindern, dass ein Scheich seinem Hobby bei einem Bundesligaklub nachgeht?

Seifert: Natürlich haben wir ein Interesse, neues Kapital in die Bundesliga zu locken, soweit es eine seriöse und ernst gemeinte Investition ist. Ich bin jedoch dagegen, dass sich ein weg geputschter thailändischer Premierminister einen Verein zulegt, den er bei nächster Gelegenheit weiterverkauft. Oder dass irgendein Finanzhai seine Schulden auf einen bis dahin gesunden Bundesligisten überträgt. Was die wirtschaftliche Solidität betrifft, sind wir die stärkste Liga der Welt.

Sie wollen also die 50+1-Regel nicht kippen, die vorschreibt, dass ein Bundesligaverein immer die Mehrheit behält?