Neue Scharmützel im Kleinkrieg zwischen dem deutschen Finanzminister und den europäischen Nachbarländern: Peer Steinbrück wirft ihnen seit geraumer Zeit vor, Steuerflüchtlinge zu begünstigen, ja regelrecht zu umgarnen. Er dringt auf eine europäische Lösung, um diese Steueroasen auszutrocknen - und vergreift sich dabei immer wieder im Tonfall. Die gescholtenen Länder reagieren ähnlich: mal bockig, mal rüde.

In der Schweiz schwang der christdemokratische Parlamentsabgeordnete Thomas Müller sogar mit der Nazi-Keule. Steinbrück hatte seinem Land neben dem sprichwörtlichen "Zuckerbrot" auch die "Peitsche" angekündigt. Müller sagte daraufhin, Steinbrück definiere "das Bild des hässlichen Deutschen neu".

Luxemburg möchte sich auf dieses Niveau offenbar nicht herablassen. Deshalb wandte sich das Großherzogtum am heutigen Morgen offiziell an den deutschen Außenminister. Frank-Walter Steinmeier wurde eingeschaltet, mit der Bitte, seinen SPD-Parteifreund Steinbrück zur Räson zu rufen.  

Luxemburgs Außenamtschef Jean Asselborn sagte, er sei überzeugt, dass sein Berliner Amtskollege "es fertig bringen wird, hier Halt zu gebieten". Er habe mit Steinmeier über Steinbrück gesprochen. "Und ich rate wirklich Herrn Steinbrück, die Notbremse zu ziehen", sagte Asselborn.

Auslöser des neusten Aktes des Streits war Steinbrücks Ankündigung vom Dienstag, Steueroasen auf eine "graue Liste" der OECD zu setzen. Er werde die betreffenden Länder im Juni zu einer Konferenz einladen, sagte Steinbrück und sprach von "Luxemburg, Liechtenstein, der Schweiz, Österreich - und Ouagadougou".

Ouagadougou ist die Hauptstadt von Burkina Faso. Dieser Vergleich war es, der die europäischen Länder am meisten empörte. Luxemburgs Außenminister Asselborn nannte Steinbrücks Wortwahl "ungeschickt", "aggressiv" und "herablassend". Steinbrück sei auf "Biertischniveau" angekommen, so Asselborn.