Eine immer wilder tobende arktische See frisst die Klippen weg, Häuser drohen einzustürzen. Die Einwohner des kleinen Inuit-Städtchens Kivalina spüren die Folgen des Klimawandels unmittelbar. Ihre Siedlung in Alaska werden sie aufgeben müssen. Seit einem Jahr suchen sie nach Verantwortlichen. Sie verklagten ExxonMobil, BP und andere Energiekonzerne. Die haben, so argumentieren die Inuit, mit ihrer klimafeindlichen Energieproduktion zu ihrem Unglück beigetragen. Nun sollen die Konzerne die Kosten für die Umsiedlung übernehmen. Es geht um mehrere hundert Millionen Dollar.

In den USA häufen sich solche Schadensersatzklagen. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger geht gerichtlich gegen General Motors und weitere Autokonzerne vor, Ostküsten-Staaten gegen Stromproduzenten, die Treibhausgase reduzieren sollen, und Umweltorganisationen wie Friends of the Earth gegen Banken, die in Klimagas-Emittenten investieren.

Bislang sind zwar alle Versuche gescheitert, Unternehmen vor Gericht für die Folgen des Klimawandels zur Verantwortung zu ziehen, oder sie werden in der nächsthöheren Distanz verhandelt. Aber das Interesse von Unternehmen, sich gegen mögliche Schadenersatzansprüche zu wappnen, nimmt zu. "Haftungsfragen wegen des Klimawandels werden sicherlich an Bedeutung zunehmen", sagt Ina Ebert, Fachfrau für Haftungsrecht bei der Münchner Rück, einem der größten Rückversicherer der Welt, der sich seit vielen Jahren mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt.

Die Versicherungswirtschaft sieht wegen des Klimawandels schon millionenschwere Forderungen auf sich zukommen. 2008 beliefen sich die weltweiten Schäden durch Stürme, Überflutungen und Feuer bereits auf 200 Milliarden Dollar. Das ist die dritthöchste Schadenssumme aller Zeiten.

Dementsprechend nimmt die Zahl von Versicherungen rasant zu, die sich mit Thema Klimawandel beschäftigen. Wie eine aktuelle Studie aus den USA zeigt, hat sich das Angebot von "grünen" Versicherungen 2008 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Mehr als 640 Produkte seien inzwischen auf dem Markt. Dazu zähle die "pay-as-you-drive"-Versicherung für´s Auto, Versicherungen für den Betrieb von Anlagen zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid, aber auch Haftpflichtversicherungen für Manager, mit denen diese sich gegen Schadensersatzansprüche in klimarelevanten Rechtsstreitigkeiten absichern können.