Wir sollten mal wieder über ein Verbot nachdenken – ein Werbeverbot für Alkohol, meinen Psychologen und Suchtexperten. Denn Alkohol bleibt ein Problem für Jugendliche, auch wenn sie insgesamt weniger trinken als früher. Der jüngste Drogenbericht hat jedoch erneut gezeigt, dass jeder fünfte Jugendliche sich regelmäßig exzessiv besäuft.

Eine Studie im Auftrag der DAK (pdf-Dokument), durchgeführt von dem Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel, kommt nun zu dem Ergebnis, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Alkoholwerbung und dem Alkoholkonsum junger Menschen gibt. Danach haben mehr als 80 Prozent der Jungen und Mädchen, die keine solche Werbung kennen, auch noch nie Alkohol getrunken. Dagegen haben mehr als 90 Prozent derjenigen, die jeden der vorgelegten Werbespots oder Plakate für Bier, Schnaps oder Wodka häufiger als zehnmal gesehen hatten, bereits entsprechende Getränke konsumiert.

3400 Schüler im Alter von 10 bis 17 Jahren aus 174 Schulen wurden für die Untersuchung befragt. Nur 1,5 Prozent von ihnen gab an, noch nie eine der in der Befragung gezeigten Alkoholwerbungen gesehen zu haben. Fast alle kannten mindestens eines der gezeigten Motive.

Darüber hinaus kam – ebenfalls kaum überraschend – heraus, das Jungen häufiger und mehr Alkohol trinken als Mädchen. Und sie überschreiten dabei öfter ihre Grenzen. Gleichzeitig nehmen die Jungen Alkoholwerbung stärker wahr als Mädchen. Sie erkannten sie häufiger wieder und erinnerten sich besser an die Markennamen. Die Forscher haben den Jugendlichen zur Kontrolle auch Werbung für Handys und Süßigkeiten gezeigt. Hier war ein Zusammenhang kaum zu sehen.

Einer der Autoren der Studie, der Psychologe Matthis Morgenstern, sagt, über die genaueren Gründe müsse noch weiter geforscht werden. "Es hat offensichtlich nichts damit zu tun, dass Jungen grundsätzlich interessierter an Werbung sind oder gar ein besseres Gedächtnis für Markennamen hätten." Vielleicht sprächen bestimmte Werbeformen, etwa im Zusammenhang mit Sport, sie nur besonders an.

Die Werbeindustrie hat das offensichtlich erkannt, denn inzwischen werden Spots und Plakate veröffentlicht, die  besonders auf Mädchen zielen. Diese Lücke möchten die Hersteller offensichtlich gerne noch schließen.

Diejenigen, die am meisten Werbung für Alkoholika kennen, neigen auch doppelt so oft zum sogenannten Komasaufen. Dabei wurde danach gefragt, wer bei einer Gelegenheit schon einmal fünf oder mehr alkoholische Getränke getrunken hatte. Die Ergebnisse könnten auch so interpretiert werden: Die Jugendlichen, die viel trinken, identifizieren sich erst in Folge dessen auch mit der Werbung Rum-trinkender Partygänger unter Palmen.