Die Umwandlung von Biomasse in Treibstoff ist kein sinnvoller Weg zur Reduzierung von Treibhausgasen. Für die CO2-Bilanz ist es wesentlich besser, die Biomasse in Kraftwerken zu verbrennen und den dabei erzeugten Strom für den Antrieb von Elektrofahrzeugen zu nutzen. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine umfassende Vergleichsanalyse kalifornischer Wissenschaftler, die das Wissenschaftsmagazin Science heute veröffentlicht hat.

So ein Elektroauto komme mit dem Ertrag der gleichen landwirtschaftlichen Nutzfläche mehr als 80 Prozent weiter als mit Biotreibstoff, berichten die Wissenschaftler. Pro Kilometer entstehe dabei nur halb so viel Treibhausgas.

"Eigentlich ist die Frage nahe liegend", sagt Chris Field, einer der Autoren und Leiter der Abteilung Globale Ökologie am Carnegie Institut der Stanford University, "aber niemand hatte sie bisher gestellt." Für ihre Berechnungen haben die Forscher ausschließlich öffentlich verfügbare Zahlen verwendet. Ihr Vergleich bezieht sich bereits auf die effizienteren Biotreibstoffe der zweiten Generation, die in Zukunft aus der Zellulose schnell wachsender Präriegräser gewonnen werden sollen.

Biodiesel und Bioethanol, wie sie derzeit Diesel und Benzin beigemischt werden, schneiden noch schlechter ab. Bei den Elektroautos wurde mit Fahrzeugtypen gerechnet, die in den Jahren 2000 bis 2003 verkauft wurden. Heutige Modelle sind vor allem aufgrund verbesserter Batterie- und Hybridtechnik deutlich effizienter.

Mit dem landwirtschaftlichen Ertrag eines Hektars kann ein mit Biotreibstoff aus Zellulose betankter Mittelklassewagen rund 32.000 Kilometer im Jahr zurücklegen, heißt es in der Studie. Ein gleich großes Elektroauto kommt mit dem aus derselben Menge Biomasse gewonnenen Strom dagegen 60.000 Kilometer weit. Der Energieaufwand für die Herstellung der Autos und des Treibstoffs ist dabei bereits eingerechnet.

"Verbrennungsmotoren sind im Vergleich zu Elektromotoren einfach ausgesprochen ineffizient", sagt der Hauptautor der Studie, Elliott Campbell von der University of California in Merced. "Selbst die beste Biotreibstoff-Technologie kann diesen Nachteil nicht aufwiegen."

Wird das CO2 aus dem Abgas der Biomasse-Kraftwerke zurück gewonnen und unterirdisch gespeichert, kann der Atmosphäre insgesamt sogar Treibhausgas entzogen werden. Bei der Verbrennung in den Fahrzeugen ist das unmöglich. "Unsere Ergebnisse sind ein eindeutiges Plädoyer für die Umstellung des Verkehrswesens auf Elektrofahrzeuge", fasst Campbell zusammen.

Den Energieaufwand für die Ausstattung hunderttausender Tankstellen mit Batterielade- und -tauschstationen berücksichtigt die Studie zwar noch nicht. Und auch die Ökobilanz für Wasserverbrauch und Luftverschmutzung fehlt noch. Doch dabei ist kaum mit großen Überraschungen zu rechnen. Ganz anders steht es um die Wirtschaftlichkeit – und die politische Durchsetzbarkeit – der Umstellung auf Elektrofahrzeuge. Beides war nicht Gegenstand der Studie.

Finanziert wurde die knapp einjährige Rechenarbeit aus einem 100-Millionen-Dollar-Etat, den der Ölkonzern ExxonMobil an die Stanford University vergeben hat. Exxon ist bekannt für seine ablehnende Haltung gegenüber Treibstoffen aus landwirtschaftlichen Produkten. Ganz anders der Konkurrent BP. Er hat der benachbarten Berkeley University 500 Millionen Dollar für die Entwicklung neuer effizienterer Biotreibstoffe zur Verfügung gestellt. Die Verhandlungen darüber hatte Physik-Nobelpreisträger Steven Chu geführt, der inzwischen von Barack Obama zum Energieminister berufen wurde.

Erforschung und Entwicklung der künftigen US-Energieversorgung sind in Kalifornien besonders konzentriert – und höchst umstritten. "Natürlich gibt es dabei auch eine harte Konkurrenz zwischen den kalifornischen Universitäten", sagt Elliott Campbell. Einfluss auf die Fragestellung und Ergebnisse seiner Studie habe dies jedoch nicht gehabt.

Der Schweizer Energieexperte Ulf Bossel ist skeptisch. "Es ist zwar ein Riesenfortschritt, dass solche Fragen in den USA jetzt überhaupt diskutiert werden", meint er. "Biomasse ist allerdings weder auf die eine noch auf die andere Art für den Verkehr geeignet." Dafür seien die landwirtschaftlichen Erträge viel zu gering. "Wird ein Hektar dagegen mit Solarzellen bestückt, kann ein Elektroauto mit dem Ertrag nicht 30.000 oder 60.000, sondern mehr als drei Millionen Kilometer weit fahren", hat Bossel ausgerechnet.

Elliott Campbell kennt das Argument und widerspricht auch nicht. Trotzdem hält er an seinem Plädoyer für Biomassekraftwerke fest. Nicht als endgültige Lösung, sondern als "schnelle und wichtige Übergangstechnologie" für die Umstellung des Verkehrs auf Elektroantrieb. Später könnte die Biomasse-Verstromung dann durch erneuerbare Energie aus Windparks oder Solarkraftwerken ersetzt werden.