Vielleicht war es ein Menetekel: Flussarme schrumpften zu Rinnsalen, Millionen Fische verendeten, der mächtige Amazonas fiel auf den niedrigsten Stand seit Menschengedenken. Die Dürre von 2005 hielt das sonst so regenreiche Amazonien fest im Griff. Was löste sie aus, und was passierte mit dem Wald?

"Überall brachen verheerende Feuer aus, weil der Regenwald immer trockener wurde. Über Monate brannten tausende Quadratkilometer", beschreibt der brasilianische Klimatologe José Marengo die Szenen aus dem südwestlichen Amazonasbecken.

Eine außergewöhnliche Dürre – selbst in der eigentlichen Regenzeit fiel mancherorts weniger als die Hälfte der üblichen Niederschläge – hatte die Vegetation ausgezehrt. Ströme wie der mächtige Rio Negro fielen auf den niedrigsten Pegelstand, seit Menschen ihn aufzeichnen; kleinere Flüsse verdampften vollständig – nur noch rissige Lehmpfade erinnerten an ihre Existenz. Fische starben in Massen, und das Militär musste abgelegene Dörfer mit Hilfsgütern versorgen, weil sie von der Außenwelt abgeschnitten waren.

Das Jahr 2005 war ein einschneidendes Ereignis – zumindest für Ökologen, die sich um die Zukunft Amazoniens sorgen: Stellte die Jahrhundertdürre nur einen extremen Einzelfall dar, ausgelöst durch eine seltene Wetterkonstellation? Oder lieferte sie bereits erste Anzeichen eines Teufelskreises aus Abholzung und Klimawandel, in den der Regenwald geraten könnte und die einander stetig verstärken?

Unheilvolle Fernbeziehung

Erste Vermutungen stellten eine Verbindung zum damals sich anbahnenden El Niño im Pazifik her: Die Klimaanomalie bringt alle fünf bis sieben Jahre weltweit die Wetterbedingungen durcheinander und sorgt beispielsweise für ergiebigen Regen in den Küstenwüsten Südamerikas, während die Regenwälder Südostasiens unter mangelnden Niederschlägen leiden.

Auch in Amazonien löste El Niño in der Vergangenheit bereits Dürren aus – doch betrafen sie eher den Osten und das Zentrum des Beckens und nicht den Südwesten wie im Jahr 2005. Und nach den Erkenntnissen von José Marengo vom Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais (INPE) in São Paulo und seinen Kollegen zeichnete sich El Niño zu Beginn der großen Trockenheit erst in Ansätzen ab: Er konnte also nicht der eigentliche Auslöser sein.

Stattdessen richtete das Team um Marengo ihren Blick auf den Atlantik: "Der übermäßig warme Ozean verursachte 2005 die extreme Dürre", meint der Klimaforscher. Die Innertropische Konvergenzzone – in der die Passatwinde aus Nord- und Südhalbkugel zusammenströmen, aufsteigen und Niederschläge bringen – hatte sich weiter als üblich nach Norden verlagert, weshalb sich über dem aufgeheizten tropischen Meer ein dauerhaftes Tiefdruckgebiet entwickelte.