Nur selten erhalten die Tierschützer mehr als Dank und Anerkennung für ihre Arbeit. spektrumdirekt sprach mit Robert Muir von der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, die sich vor Ort für Mensch und Natur einsetzt.

spektrumdirekt: Mr. Muir, wie steht es derzeit um den Virunga-Nationalpark und seine berühmten Gorillas?

Robert Muir: Die Situation ist momentan extrem beunruhigend, die öffentliche Ordnung ist kürzlich zusammengebrochen. Vor einigen Wochen sind Kämpfe ausgebrochen, als die kongolesische Regierung beschlossen hatte, die Grenze zwischen Kongo und Uganda zu schließen. Sie wird von ruandischen Rebellen der CNDP (National Congress for the People's Defense, eine Miliz der Tutsi-Volksgruppe, Anm. d. Red.) unter der Führung von Laurent Nukunda kontrolliert, die viel Geld durch Gebühren für den Grenzübertritt verdienen.

Vor einer Woche wurde dann von der CNDP ein Waffenstillstand erklärt, damit humanitäre Hilfsmaßnahmen anlaufen konnten - er hielt zwei Tage. Anschließend kam es wieder zu Gefechten, die sich in der Zwischenzeit noch intensiviert haben. Die Kongolesen haben Panzer und schwere Artillerie ins Kampfgebiet gebracht. Es sieht nun ganz danach aus, dass es vorerst keine weiteren Gespräche über einen Waffenstillstand oder gar Friedensabkommen geben wird. Das kongolesische Militär wird wohl versuchen, die Rebellen außer Landes zu drängen, und die Kämpfe dürften andauern, bis eine Seite siegreich ist.

Die Stadt Goma selbst ist ebenfalls sehr unsicher und die Lage vor Ort sehr schwierig. In der Stadt sind Kämpfe ausgebrochen, UN-Friedenstruppen wurden von der lokalen Bevölkerung attackiert, ebenso jeder andere mt einem Abzeichen der Vereinten Nationen.

spektrumdirekt: Wie steht es um die Ranger? Ihre Arbeit scheint momentan sehr gefährlich. Sind sie noch im Dienst?

Muir: Sie wurden von ihren Außenstationen zurückgezogen und haben im Hauptquartier des Parks Zuflucht gefunden. Vor Kurzem haben wir Ranger, ihre Frauen und Kinder in sichere Regionen evakuiert, da es so aussah, als könnten Gefechte in größeren Arealen des Parks ausbrechen. Das Gebiet ist momentan nicht sicher, und die Bedingungen sind sehr schwierig für alle, die dort arbeiten. Wir hoffen, dass die Kämpfe bald enden, die kongolesische Armee die Rebellen besiegt und damit erstmals seit Langem wieder die Kontrolle über das Gebiet übernimmt.

Ranger des ICCN (Nationalparkservice der Demokratischen Republik Kongo, Anm. d. Red.) sind eigentlich über den gesamten Park stationiert, der etwa 8000 Quadratkilometer umfasst und von ihnen geschützt werden muss. Zum Lebensraum der Berggorillas hatten sie jedoch seit über einem Jahr keinen Zugang mehr, obwohl dieser Sektor nur etwa 250 Quadratkilometer ausmacht. Rebellengruppen kontrollieren ihn seit dem 2. September 2007.

spektrumdirekt: Hat man Ihre Mitarbeiter in der Vergangenheit bereits attackiert?

Muir: Ja, sie wurden schon angegriffen. Sie stehen an vorderster Front dieses Konflikts, und über 150 von ihnen wurden in den letzten 12 Jahren erschossen, während sie auf Patrouille waren. Etwa 15 000 bewaffnete Soldaten und Rebellen befinden sich gegenwärtig im Park und seinem Umfeld - darunter 6000 Mann der kongolesischen Regierungsarmee, 4000 der CNDP, 1500 Mai-Mai (lokale Milizen unterschiedlicher Herkunft und Ziele, Anm. d. Redaktion) und 2000 Mann der FDLR (Democratic Forces for the Liberation of Rwanda, Anm. d. Redaktion), eine Hutu-Miliz, die sich nach dem Genozid in Ruanda und ihrer Flucht in den Kongo gebildet hatte. Auf jedem Quadratkilometer Park stehen durchschnittlich zwei Soldaten oder Rebellen.