Über 200 Tote bei Melbourne, zerstörte Villen in Kalifornien, das antike Olympia durch Flammen bedroht – alle Jahre wieder füllen Schlagzeilen über Feuerkatastrophen die Gazetten. spektrumdirekt sprach mit dem renommierten Freiburger Feuerökologen Johann Georg Goldammer vom Global Fire Monitoring Center, was wir dieses Jahr erwarten müssen, welche Rolle Brände in Deutschlands Landschaft spielen und worauf wir uns zukünftig einstellen sollten.

spektrumdirekt: Nach dem langen, feuchten Winter – auch am Mittelmeer: Müssen wir dieses Jahr trotzdem viele Feuer befürchten?

Johann Georg Goldammer: Ja, durchaus. Es ist ein Fehlschluss, zu glauben, dass es nicht brennt, wenn es nass war. Gab es im Vorjahr oder im Winter sehr viel Feuchtigkeit, dann ist die Gefahr nicht mehr kontrollierbarer Feuer im Folgejahr deutlich höher. Denn wegen der guten Wasserversorgung wächst die Gras- und Krautschicht sehr gut. Dieses Brennmaterial, das häufig zyklisch abstirbt, steht dann im Frühling als Treibstoff für Wildfeuer zur Verfügung.

Ein Beispiel sind extreme Trockenzeiten in Afrika, auf die im nächsten Jahr sehr wenige Feuer folgen: Wenig frisches Gras wuchs nach, und Vieh oder Wildtiere haben das wenige frische Grün gefressen, weswegen letztlich kaum Brennmaterial vorhanden ist. Nach trockenen Jahren sind die Brandflächen und -intensitäten also deutlich kleiner als nach feuchten Perioden. Es könnte diese Saison folglich am Mittelmeer durchaus heftig brennen.

spektrumdirekt: Gilt das nach dem niederschlagsreichen Winter auch für Deutschland?

Goldammer: Diese Abhängigkeit von der Wasserversorgung des Vorjahres spielt bei uns eine kleinere Rolle, denn der Unterwuchs ist in den hiesigen Wäldern eigentlich stets vorhanden. Das Angebot von Brennmaterial ist in Mitteleuropa relativ konstant. Herrscht im März und April aber eine starke Trockenheit, wie sie in den letzten Wochen in Nordostdeutschland eintrat, dann ist das Feuerrisiko sehr hoch wegen der nach dem Winter abgestorbenen und ausgetrockneten Vegetation.

spektrumdirekt: Was beeinflusst hier zu Lande die Feuergefahr?

Goldammer: Absichtliche und fahrlässige Brandstiftung spielen in Deutschland eine entscheidende Rolle – ähnlich wie am Mittelmeer. Dort sind aber vor allem auch unbeabsichtigt außer Kontrolle geratene Landnutzungsfeuer an der Tagesordnung – die gab es immer, und sie wird es immer geben, trotz verschiedener gesetzlicher Maßnahmen. 95 bis 98 Prozent der Feuer in Europa werden durch Menschen und nicht die Natur verursacht.

spektrumdirekt: Nimmt die Zahl der Feuer tatsächlich zu, oder ist einfach die Aufmerksamkeit der Medien gestiegen?

Goldammer: In Deutschland hat ihre Anzahl nicht zugenommen – im Gegenteil. Zahl und Ausmaß der Brände liegen seit Jahren auf einem annähernd konstanten Niveau von einigen hundert bis eintausend Hektar. Die durchschnittliche Größe der Brandflächen in den letzten zehn Jahren beträgt 0,5 Hektar.