ZEIT ONLINE: Was waren in diesem Jahr die auffälligsten Trends? 

Carolin Buchheim: Es gibt in diesem Jahr nicht den einen, eindeutigen Trend, wie das in anderen Jahren des Grimme Online Awards schon der Fall war. Formen der Videonutzung zum Beispiel oder Blogs, die vor ein paar Jahren als innovativ galten, haben sich durchgesetzt und etabliert. Es ist damit schwieriger für Webseiten geworden, aus der Masse hervorzustechen.

ZEIT ONLINE: Was haben Sie beim Durchschauen vermisst? 

Buchheim: Man sieht vielen Angeboten an, dass sie nicht mit Herzblut gemacht wurden. Dann besteht die Gefahr, dass die Inhalte nicht attraktiv präsentiert werden und untergehen. Das ist sehr schade. 

ZEIT ONLINE: Welche Internetseite ist ihrer Meinung nach ein gutes Beispiel für eine "mit Herzblut" gemachte? 

Buchheim: Die Seite des Sportjournalisten Jens Weinreich zum Beispiel. Obwohl er auch in anderen Medien veröffentlicht, schafft er sich auf seinem Blog den Freiraum für Hintergründe und investigative Recherche. Er verbindet dabei Herzblut mit Fachkenntnis. Das macht ihn zu einem guten Journalisten. Die Gestaltung der Internetseite rückt hierbei jedoch in den Hintergrund. Weinreichs Blog ist schließlich recht herkömmlich gestaltet. 

ZEIT ONLINE: Mit Blick auf die Nominierten hat der Aspekt Gestaltung in diesem Jahr offensichtlich keine große Rolle gespielt. 

Buchheim: Der Grimme Online Award will in erster Linie publizistische Qualität bewerten. Natürlich sollten gute Inhalte ansprechend präsentiert werden. Uns ist in diesem Jahr aufgefallen: Was die Gestaltung angeht fehlen im Internet neue Ideen. Es gibt Standards wie Fotogalerien, Klickstrecken, Videos. Die machen eine Webseite aber noch nicht gut und nicht automatisch multimedial oder für den Nutzer attraktiv. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten etwa machen gute Inhalte, aber sie legen sie oft in Standardformaten ab, deren Nutzung wenig Spaß macht. Es fehlen wirkliche Innovationen, eine eigene Art der Gestaltung. Eine Ausnahme ist vielleicht die WDR-Online-Reportage "Energie der Zukunft - wie werden wir leben?" 

ZEIT ONLINE: Was macht dieses Angebot besonders?